Gedenkstätte Trostenez | IBB

Gedenkstätte Trostenez

Unsere Initiative für einen fast vergessenen Ort zum Lernen aus der Geschichte

Der Vernichtungsort Trostenez soll ein europäischer Lern- und Erinnerungsort werden

Im Beisein des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, des österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko ist der zweite Bauabschnitt des insgesamt rund 100 Hektar großen Erinnerungsortes Trostenez am Freitag, 29. Juni 2018, in einer würdigen Zeremonie eröffnet worden.

Zur feierlichen Eröffnung waren alle Unterstützer der Gedenkstätten-Initiative sowie junge Historiker und Akteure der Erinnerungsarbeit aus dem Baltikum, Belarus, Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Tschechien und der Ukraine eingeladen. Im Mittelpunkt der Konferenz „Erinnern für eine gemeinsame  europäische Zukunft“ am 29. und 30. Juni 2018 in der IBB „Johannes Rau“ Minsk stand die Frage, wie der Vernichtungsort Trostenez zu einem europäischen Lernort entwickelt werden kann. Konkrete Ideen fasst das Abschluss-Kommuniqué zusammen . Einen ausführlichen Bericht über die Eröffnung des zweiten Bauabschnitts und den ersten Konferenztag finden Sie hier, einen ausführlichen Bericht über die Konferenz finden Sie hier.

Ausstellung erinnert an Malyj Trostenez

Die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist das Ergebnis einer deutsch-belarussischen Zusammenarbeit, an der seit 2014 Historiker aus Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien teilnahmen. Zum internationalen Beirat gehören: das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst, die Topographie des Terrors, das Jüdische Museum in Prag, die Gedenkstätte Theresienstadt, das Belarussische Museum für die Geschichte des Großen Vaterländischen Kriegs und der Verband der jüdischen Organisationen und Gemeinden in Belarus.

Die Ausstellung würdigt die Opfer und zeigt zugleich, auf welche Weise und an welchen Orten in Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien der Ermordeten gedacht wird. Sie hat zum Ziel, Malyj Trostenez als europäischen Tat- und Erinnerungsort in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Träger der Ausstellung sind das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund), die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk) und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Ausstellung wird gefördert durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und das Auswärtige Amt. Sie wurde am 8. November 2016 in Hamburg, am 9. März 2017 in Berlinam 13. März 2017 in Minsk,  am 16. Mai in Grodno, am 19. September in Bremen, am 12. Oktober in Brest , am 18. Oktober in Köln , am 26. Januar 2018 auf Schloss Mir  und am 13. April 2018 in Wuppertal eröffnet. Weitere Orte sind (Stand April 2018)  BaselTheresienstadt, Lüneburg, Düsseldorf, Gießen, Frankfurt,  Dortmund und Wien.

Der Weg zu einer gemeinsamen europäischen Gedenkstätte

Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50 000 und 206 500 Menschen wurden getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt.

1941 und 1942 wurden mehr als 22 000 deutsche Bürger mit jüdischen Wurzeln nach Minsk und Trostenez deportiert. Sie hatten die Illusion, dass die nationalsozialistische Führung ihnen dort die Möglichkeit geben würde, eine neue Existenz aufzubauen. In Minsk angekommen wurde die Mehrzahl der Deportierten jedoch sofort getötet und in Gruben verscharrt.

1941-42 gingen die Deportationszüge von Berlin, Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Wien und Theresienstadt ab. Weitere Informationen zum Hintergrund des Vernichtungsortes und des IBB-Engagements finden Sie hier.

Trostenez in den Medien

Der Vernichtungsort Trostenez ist in Westeuropa bisher wenig bekannt. Die Initiative für eine Gedenkstätte in Trostenez hat das Interesse der Medien geweckt. Das Osteuropa-Magazin des WDR berichtete am 14. April 2013. Am 13. August 2013 wurde der Beitrag im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Für die Deutsche Welle hatte Olga Kapustina am 24. Juni 2013 berichtet: „Spätes Gedenken an Trostenez“.

Die Deutsche Welle hatte bereits im Januar 2013 über den Vernichtungsort Trostenez berichtet. Autorin Olga Kapustina hatte dabei auch die Zeitzeuginnen Aleksandra Borisowa und Maja Krapina interviewt, die im Januar 2014 in Berlin und Bremen zu Gast waren.

Die ZEIT berichtete am 21. August 2014 unter dem Titel: „Die Stille nach den Schüssen“. Unter dem Titel „Eine Gedenkstätte für das Vernichtungslager Trostenez“ strahlte der WDR am 24. Juli 2016 einen längeren Beitrag aus. Am 13. Oktober 2017 widmet der WDR den Deportationen nach Trostenez einen Beitrag in der Reihe  Zeitzeichen.

Holocaust-Zeitzeuge Michail Trejster erzählt

Michail Trejster, im Mai 2017 verstorbener Zeitzeuge des Holocaust, berichtete auf Einladung des IBB Dortmund im Januar 2014 in der Realschule Kerpen über seine Erinnerungen an die Zeit der deutschen Besetzung und die Judenverfolgung in Belarus. Die Journalistin Olga Kapustina hat den Mitschnitt des Interviews dankenswerterweise in der Soundcloud online gestellt (in belarussischer Sprache mit Übersetzungen).

Holocaust-Zeitzeuge Kurt Marx erzählt

Kurt Marx, 1925 geborener Holocaust-Zeitzeuge aus Köln, war am 7. März 2017 persönlich nach Minsk gereist zur Eröffnung der Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“. Seine Eltern waren 1942 in Trostenez ermordet worden. Kurt Marx war damals Schüler der Jawne -Schule in Köln und durch die Weitsicht seines Schulleiters Erich Klibansky vor dem sicheren Tod bewahrt worden. Erich Klibansky hatte 130 Kinder nach London bringen lassen. Das Interview hat der Journalist Dirk Planert  im März 2017 in Minsk geführt. Es steht in der Soundcloud zur Verfügung.

Gedenken für eine gemeinsame Zukunft

Welche Bedeutung hat eine Gedenkreise für die Bewältigung der schwierigen Vergangenheit zwischen Deutschland und Belarus? Und warum ist die Bearbeitung der Vergangenheit so ungemein wichtig für eine gemeinsame Zukunft in Europa? Es sind Fragen wie diese, die der Filmbeitrag über die Gedenkreise nach Trostenez 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in bewegenden Bildern und Interviews beantwortet. Das 15 Minuten lange Video – produziert von der Medienakademie der IBB „Johannes Rau“ in Minsk – ist der erste Teil einer Dokumentation über die Gedenkreise im Mai 2015.

Gedenkstätte Trostenez

Trostenez

Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50 000 und 206 500 Menschen wurden getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt. In Belarus wurde 2015 – 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – der Gedenkort „Pforte der Erinnerung“ seiner Bestimmung übergeben.

Bau der Gedenkstätte

Im Wald von  Blagowschtschina – wo nach Kriegsende 34 Massengräber entdeckt worden waren – soll der zweite Bauabschnitt  der Gedenkstätte an die massenhafte Ermordung europäischer Juden und Zwangsarbeiter erinnern. Den Entwurf für die Gedenkstätte „Der Weg des Todes“ hat der belarussische Künstler und Architekt Leonid Lewin erarbeitet.

Kooperation

Hochrangige Historiker und Experten der historisch-pädagogischen Arbeit trafen sich am 22. und 23. September 2014 in Minsk, um gemeinsam ein ambitioniertes Projekt anzugehen. Die rund zehn Fachleute haben sich intensiv mit der Erarbeitung der Konzeption für eine Wanderausstellung zum Thema Trostenez beschäftigt und die Ausstellungmacher beraten. Die Ausstellung wird seit 2016 in Belarus und Deutschland gezeigt.