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	<title>Zeitzeugen &#8211; IBB</title>
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		<title>Zeitzeugenprojekt „Wandel. Wechsel. Wende“: Mariengymnasium Essen gestaltete moderiertes Interview mit Gisela Kallenbach</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Nov 2020 10:50:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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					<description><![CDATA[Gut vorbereitet und gleich mit einer starken Frage stieg das Mariengymnasium Essen am Mittwoch, 28. Oktober 2020, in das Zeitzeugengespräch mit Gisela Kallenbach aus Leipzig im Rahmen der Reihe „Wandel.Wechsel.Wende“ ein, die durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wird: „Wie finden Sie eigentlich, dass die AfD den Slogan der damaligen Bürgerrechtsbewegung ‚Wir sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-26333" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg" alt="" width="200" height="36" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg 577w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung-300x55.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Gut vorbereitet und gleich mit einer starken Frage stieg das<a href="https://www.mariengymnasium.net/"> Mariengymnasium Essen</a> am Mittwoch, 28. Oktober 2020, in das Zeitzeugengespräch mit Gisela Kallenbach aus Leipzig im Rahmen der Reihe „Wandel.Wechsel.Wende“ ein, die durch die <a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/start">Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur</a> gefördert wird: „Wie finden Sie eigentlich, dass die AfD den Slogan der damaligen Bürgerrechtsbewegung ‚Wir sind das Volk!‘ nutzt?“ Die 76-jährige Bürgerrechtlerin antwortete via Video aus ihrer Wohnung den Schülerinnen und Schüler, die im luftigen Forum der Schule vor einem Monitor versammelt waren, mit klaren Worten: „Das ist ein ganz klarer Missbrauch!“</p>
<p><span id="more-27301"></span></p>
<p>Damals, 1989, sei es regelrecht gefährlich gewesen, gegen die Obrigkeit aufzubegehren. Es habe viel Mut dazu gehört – anders als heute. „Es ist doch ganz offensichtlich ziemlich widersprüchlich, wenn heute Verschwörungstheoretiker kritisieren, sie dürften nicht ihre Meinung sagen, und dies doch öffentlich und ungestraft kundtun können.“</p>
<p>Gisela Kallenbach berichtete dann, was Opposition in der DDR der 1980er Jahre bedeutete. „Offiziell gab es keinen Smog und keine Umweltschäden. Dabei sahen wir mit eigenen Augen, dass die Flüsse schwarz und von Schaumkronen überzogen waren und wir merkten doch selbst, dass die Luft nicht zum Atmen war.“ Andere seien durch den aufkommenden Wehr-Unterricht in der Schule politisiert worden. Für sie selbst seien der Missbrauch der natürlichen Lebensgrundlagen und das Kritikverbot entscheidend gewesen.</p>
<p>Die Kirche habe eine wichtige Rolle gespielt, weil sie Andersdenkenden Raum gab. „Es gab ja kein Vereinigungs- und Versammlungsrecht!“ Pfarrer eröffneten mit Umwelt- und Friedensgruppen einen Schutzschirm. Gisela Kallenbach war schon seit 1982 Mitglied der Arbeitsgruppe Umweltschutz unter dem Dach der Kirche.</p>
<p>Sie selbst habe schon früh Ausgrenzung gespürt, nachdem sie – Kind eines selbstständigen Handwerksmeisters &#8211; auch noch christlich konfirmiert worden war. Der Weg zum Abitur war ihr dadurch trotz guter Leistungen versperrt. „Die Erziehung zu einer sozialistischen Persönlichkeit setzte nach DDR- Doktrin unter anderem auch voraus, dass man Mitglied bei den Pionieren und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) wurde und schließlich bei der Jugendweihe ein klares Bekenntnis zum sozialistischen Staat abgab“, erläuterte sie den aufmerksam zuhörenden Jugendlichen. Ideologietreue galt es zu beweisen. „Wenn man genauer hinhörte, welchen Text die Jugendlichen mit ihrem Bekenntnis bei der Jugendweihe abgaben, hätte man dies gar nicht zulassen dürfen!“Doch wer in der DDR aufgewachsen war, habe gelernt, mit zwei Zungen zu reden: Mit der einen in der Schule und im Arbeitsleben, mit der anderen nur Zuhause und im engsten Freundeskreis. Die Jugendweihe und das Bekenntnis seien von den meisten gar nicht hinterfragt worden.</p>
<p>Was Opposition bedeutete, habe sie selbst zu spüren bekommen, als sie – damals Chemielaborantin – zum Umwelttag am 5. Juni eine Wandzeitung gestaltet habe, was damals ein übliches Medium in Betrieben war. „Wir hatten einige Zahlen zusammengestellt zum Zustand der Umwelt“, berichtete sie. Die Zahlen stammten aus öffentlich zugänglichen Büchern. So könne man zum Beispiel die Sonnenstunden als Indikator für Luftverschmutzung interpretieren. Schon diese im Grunde harmlose Aktivität habe ihr eine sogenannte operative Personenkontrolle durch den Staatssicherheitsdienst der DDR eingebracht. Erst nach 1990 erfuhr sie dann, dass der betriebliche Parteisekretär den „Vorfall“ der Stasi gemeldet hatte.</p>
<p>Als wesentlichen Auslöser der friedlichen Revolution schilderte sie die Kommunalwahlen im Mai 1989, bei der sie selbst im Netzwerk mit Gleichgesinnten die öffentliche Auszählung beobachtet und das abweichende Ergebnis bekannt gemacht hatte. „Es gab damals ja nur den Wahlvorschlag der Nationalen Front. Ich musste erst lernen, wie man überhaupt mit „Nein“ abstimmt!“</p>
<p>Die Proteste in Belarus beobachtet sie vor dem Hintergrund der Parallelen mit großem Interesse. „Wir haben Anfang September zusammen mit 50 ehemaligen Bürgerrechtlern eine Grußadresse nach Belarus geschickt“, berichtete sie auf Nachfrage. „Bei uns hat damals auch alles begonnen mit einer gefälschten Wahl. Wir fühlen uns sehr verbunden.“</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/11/Gisela_Kallenbach_9652w.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-27294 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/11/Gisela_Kallenbach_9652w-300x242.jpg" alt="" width="300" height="242" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/11/Gisela_Kallenbach_9652w-300x242.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/11/Gisela_Kallenbach_9652w-768x619.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/11/Gisela_Kallenbach_9652w.jpg 953w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Bei den Jugendlichen in Essen warf das weitere Fragen auf: „Können Sie eigentlich verstehen, warum jemand in Deutschland aus Protest nicht wählen geht?“ Gisela Kallenbach, die nach der Wende unter anderem Mitglied im Europaparlament und im Sächsischen Landtag war, ließ keinen Zweifel: „Wenn jemand engagiert ist, so wie ich, tut das regelrecht weh!“ Damals habe die Bevölkerung der DDR das Recht auf freie Wahlen erkämpft! Wählen sehe sie deshalb als Bürgerpflicht.</p>
<p>Die Schülerinnen und Schüler aus Essen wollten auch wissen, wie die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes heute auf die Wiedervereinigung zurückblickt. „Für mich ist erstaunlich, dass man heute zum 30. Jahrestag die Unterschiede und Nachteile betont, wie zum Beispiel den geringen Anteil Ostdeutscher in den Führungsetagen der Wirtschaft, anstatt auch auf das Erreichte zu schauen!“ Vieles habe sich zum Positiven verändert. Die Städte seien attraktiver, die Häuser saniert, die Umwelt in einem besseren Zustand. Allerdings seien die wenigsten Häuser im Besitz Ostdeutscher. Und: Es fehle die Wahrnehmung dafür, dass sich für die Menschen in Ostdeutschland das Leben vollkommen und grundsätzlich geändert hat – während es für die Menschen in Westdeutschland weiterging wie zuvor. Sie plädierte daher für mehr Austausch und Dialog und lud ihre Zuhörerschaft nach Leipzig ein.</p>
<p>Die Schülerinnen und Schüler bedankten sich mit anhaltendem Applaus.</p>
<p>Weitere Informationen über unsere Angebote zur Erinnerungsarbeit finden Sie <a href="https://ibb-d.de/erinnern/">hier</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zeitzeugengespräch „Wandel. Wechsel. Wende“  – Andreas Kosmalla schildert Jugend in der DDR</title>
		<link>https://ibb-d.de/zeitzeugengespraech-wandel-wechsel-wende-andreas-kosmalla-schildert-jugend-in-der-ddr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Nov 2020 10:43:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
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					<description><![CDATA[Den Abend des 10. Novembers 1989 erlebte Andreas Kosmalla in Stuttgart – dabei war der heute 58-Jährige doch „hinter der Mauer“ aufgewachsen. Wie seine Jugend in der damaligen DDR aussah, wie er zum Oppositionellen wurde und wie es dazu kam, dass er sich am Morgen des 10. November eine Fahrkarte nach Westdeutschland kaufen konnte, erzählte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Den Abend des 10. Novembers 1989 erlebte Andreas Kosmalla in Stuttgart – dabei war der heute 58-Jährige doch „hinter der Mauer“ aufgewachsen. Wie seine Jugend in der damaligen DDR aussah, wie er zum Oppositionellen wurde und wie es dazu kam, dass er sich am Morgen des 10. November eine Fahrkarte nach Westdeutschland kaufen konnte, erzählte er in einem virtuellen Zeitzeugengespräch in der Reihe „Wandel.Wechsel.Wende“ am Dienstag, 27. Oktober 2020, Schülerinnen und Schülern des <a href="https://www.werkstatt-berufskolleg.de/">Werkstatt Berufskollegs in Unna</a>.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-26333" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg" alt="" width="200" height="36" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg 577w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung-300x55.jpg 300w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Corona-bedingt musste auch das zweite Zeitzeugengespräch in der Reihe, die durch eine <a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/start">Förderung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur</a> realisiert werden konnte, kurzerhand in den virtuellen Raum verlegt werden. Andreas Kosmalla, früher Leiter eines Flüchtlingsheims in Brandenburg, heute Sozialarbeiter in einem Berliner Flüchtlingsheim, war auf einem Whiteboard im Klassenzimmer zu sehen und baute schnell eine persönliche Beziehung zu den Zuhörenden auf.</p>
<p>„Ich hätte es bequemer haben können“, sagte er, „aber ich hatte gar keine Chance, ein ruhiges Leben zu führen.“</p>
<p><span id="more-27299"></span></p>
<p>Als ältestes von drei Kindern in eine Pfarrersfamilie geboren, zählte Andreas Kosmalla zu den „Christenmenschen“. Der christliche Glaube schien der Staatsdoktrin aber kaum vereinbar mit der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit. Daher habe er schon früh Ausgrenzung gespürt. Wegen seiner Herkunft sei ihm der Weg zu einem höheren Bildungsabschluss trotz guter Noten versperrt gewesen. „Das macht etwas mit einem, wenn man nicht wirklich dazugehört.“ Andreas Kosmalla wurde ständig mit Fragen konfrontiert, wie zum Beispiel, ob Marxismus und Christentum sich nicht ausschließen. Seine Position diskutierte und schärfte er in kirchlichen Jugendgruppen, denn die Kirche gab Raum für freie Rede und eine Gegenwelt. „Ich war nach einer Weile geübt in der Argumentation.“ Die Jugendlichen führten damals ein zweigeteiltes Leben: Die Schule war das eine, die eigene Meinung das andere. „Privat schauten wir West-Fernsehen und sprachen offen.“</p>
<p>Ende der 1970er Jahre spitzte sich die Lage zu. In der Schule wurde ein Wehr-Unterricht eingeführt. Mitten in Europa wurden Atomwaffen stationiert. Der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR setzte auf eine Erziehung zum Frieden. Mit der ersten Friedensdekade 1980 wurde das Bibelwort „Schwerter zu Pflugscharen“ zu einem Slogan der wachsenden Zahl kirchlicher Friedensgruppen in der DDR (und später auch in Westdeutschland). Für Heranwachsende in der DDR wurde die Frage, wie man sich selbst zum Wehrdienst stellen wird, zu einer die weitere Zukunft entscheidenden Frage. „Man musste sich entscheiden: Wollte man sich anpassen oder wollte man sich wehren?“ Die Antwort, das war allen klar, stellte eine Weiche für den weiteren Werdegang. Damals sei man schon mit vergleichsweise harmlosen Äußerungen oder Handlungen angeeckt. Andreas Kosmalla trug einen Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ und geriet ins Visier der staatlichen Stellen. „Die Polizei hat den Aufnäher abgemacht!“</p>
<p>Seinen Wehrdienst leistete Andreas Kosmalla schließlich ohne Waffe als sogenannter <a href="https://prora-zentrum.de/">Bausoldat in Prora auf Rügen</a>. „Dort traf ich auf rund 400 Menschen, die ebenfalls nicht angepasst waren, so wie ich. Wir haben uns zusammengeschlossen und Arbeitskreise gegründet und später Leute beraten, die auch ihren Wehrdienst verweigern wollten.“ Einen Zivildienst nach dem Vorbild aus Westdeutschland wollten die Bausoldaten nicht, sondern stattdessen einen dritten Weg. „Aber so eine Diskussion hatte in der DDR immer Konsequenzen.“</p>
<p>Bei der Einsicht in seine Stasi-Akten erfuhr er viele Jahre später, dass er schon damals ins Visier der Stasi geriet. Die vergleichsweise harmlose Beratungsarbeit trug ihm den Verdacht einer „Politischen Untergrund-Tätigkeit (PUT)“ ein. „Man war einfach in einem großen Topf– und die Stasi hatte einen auf dem Kieker!“</p>
<p>Nach Westdeutschland hatte er persönliche Kontakte durch die kirchliche Jugendarbeit. Als er am 9. November 1989, einem Donnerstag, nach der wöchentlichen Demonstration in die Wohnung von Mitstreitenden kam, berichteten ihm diese von „so einer komischen Radiomeldung“. Gemeint war die neue Reiseregelung für DDR-Bürger, die Günter Schabowski abends am Ende einer Pressekonferenz eher beiläufig bekannt gegeben hatte. Andreas Kosmalla machte sich gleich am nächsten Morgen um 7 Uhr auf den Weg, tat das bis dahin Unvorstellbare und kaufte am Bahnhof eine Fahrkarte nach Westdeutschland. „Ich weiß noch, dass der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl gerade in der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=EQpeNuZK-Mc">Tagesschau</a> zu sehen war, als ich in Stuttgart das Wohnzimmer meiner westdeutschen Freunde betrat.“ Am Ende gelang es ihm auf Umwegen doch noch, sein Abitur zu machen und ein Lehramtsstudium zu beginnen.</p>
<p>Die Schülerinnen und Schüler hingen 90 Minuten an seinen Lippen und hatten am Ende eine ungewöhnliche Idee: Sie baten um ein Gruppenbild mit dem Zeitzeugen auf dem Monitor.</p>
<p>Weitere Informationen über unsere Angebote zur Erinnerungsarbeit finden Sie <a href="https://ibb-d.de/erinnern">hier</a>.</p>
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		<title>Zeitzeugengespräch „Wandel.Wechsel.Wende“ als Video-Konferenz: Thomas Pilz berichtete über die friedliche Revolution 1989</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 14:49:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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					<description><![CDATA[Thomas Pilz, Geschäftsführer der Hillerschen Villa in Zittau, war am Montag, 26. Oktober 2020, der erste von drei Zeitzeugen der friedlichen Revolution 1989, die im Rahmen des Projektes „Wandel.Wechsel.Wende“ mit Schülerinnen und Schülern aus Unna und Essen über die Ereignisse vor 30 Jahren in der damaligen DDR sprachen. „Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen mussten wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Thomas Pilz, Geschäftsführer der <a href="https://www.kulturfabrik-meda.de/">Hillerschen Villa in Zittau</a>, war am Montag, 26. Oktober 2020, der erste von drei Zeitzeugen der friedlichen Revolution 1989, die im Rahmen des Projektes „Wandel.Wechsel.Wende“ mit Schülerinnen und Schülern aus Unna und Essen über die Ereignisse vor 30 Jahren in der damaligen DDR sprachen. „Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen mussten wir kurzfristig die Notbremse ziehen und die Zeitzeugengespräche als Video-Konferenz anbieten“, bedauerte IBB-Referent Maximilian Gröllich, der die Reihe organisiert hatte und die Gespräche moderierte. „Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass wir die Reihe in Form von Präsenzterminen anbieten können.“ <a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-26333" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg" alt="" width="200" height="36" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung.jpg 577w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2020/04/Logo-Stiftung-Aufarbeitung-300x55.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Vier der fünf Schulen, die sich ursprünglich an der von der <a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/start">Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur</a> geförderten Reihe beteiligen wollte, mussten wegen fehlender technischer Voraussetzungen kurzfristig absagen. Das <a href="https://www.mariengymnasium.net/">Mariengymnasium Essen-Werden</a> sprang kurzfristig als neuer Partner ein.</p>
<p>Warum ein Aufnäher auf seiner Jacke für reichlich Ärger in der Schule sorgte, berichtete Thomas Pilz.<span id="more-27280"></span></p>
<p>Für den 55-jährigen Thomas Pilz, der ab und an als Zeitzeuge in Schulen zu Gast ist, war ein Zeitzeugengespräch in Form einer Videokonferenz am Montag auch eine ungewohnte Situation. „Ich bin es gar nicht gewohnt, so lange Monologe zu halten“, sagte er und bat die Zuschauenden im Klassenraum um Fragen. Aus seinem Wohnzimmer in Zittau im Dreiländereck Deutschland- Polen-Tschechien berichtete er dann, wie er als Kind einer Pfarrersfamilie schon früh auf Distanz ging zur Staatsdoktrin und zur Sozialistischen-Einheitspartei (SED). Als einziger von 23 Schülern sei er weder Pionier noch FDJ‘ler geworden. „Durch mein Elternhaus und meine christliche Erziehung waren mir bestimmte Bildungswege ohnehin versperrt“, berichtete Pilz. Nur durch eine glückliche Fügung – eine kurzfristige Lockerung der strengen Zugangsvoraussetzungen von Christen zu höheren Bildungsabschlüssen &#8211; durfte er das Gymnasium besuchen, obwohl Christen grundsätzlich als nicht ideologietreu galten.</p>
<p>„Kritik am sozialistischen Weg war einfach nicht vorgesehen“, spürte er schon früh. Als er schließlich als Jugendlicher auch noch einen kleinen Aufnäher mit dem Motto der<a href="https://www.ekd.de/bretschneider-erfinder-symbol-schwerter-zu-pflugscharen-50293.htm"> Evangelischen Friedensdekade 1980 „Schwerter zu Pflugscharen“</a> an seiner Jacke anbrachte, stand er endgültig unter staatlicher Beobachtung. „Ein Lehrer hat sich sogar ausdrücklich geweigert, mich zu unterrichten“, berichtete Thomas Pilz. Mitschülerinnen und Mitschüler versuchten in den Pausen, den Aufkleber abzureißen. „Ich habe meine Jacke dann auch im Unterricht angelassen“, zeigte sich Pilz wenig beeindruckt. Insgesamt elf Mal habe ihn auch die Polizei mitgenommen auf die Wache, „‘zugeführt‘“ hieß das damals“, gab Pilz auch einen Einblick in die im Westen wenig bekannten Begrifflichkeiten der damaligen DDR. Er wurde aufgefordert, den Aufnäher zu entfernen. Einmal wurde seine Jacke sogar beschlagnahmt. „Ich erzähle Euch dies nur, um zu zeigen, was für eine Wirklichkeit herrschte in Bezug auf die Meinungsfreiheit.“</p>
<p>Mitte der 1980er Jahre begann er eine Ausbildung in einem Heim für Menschen mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen – und fand im Kollegenkreis erstmals Gleichgesinnte und Anschluss an ein Netzwerk von kritisch denkenden Menschen, die sogar Kontakte nach Leipzig und Berlin hatten. „Ich war damals wild entschlossen, im Land zu bleiben“, sagt er heute. Und: „Es sollte nie in einem Land erlaubt sein, die Bürger einzusperren.“ In der Friedensgruppe Zitttau und später Umweltbibliothek Großhennersdorf wurde die Politik der Einheitspartei kritisch diskutiert. „Wir wussten damals nicht, wie intensiv die Stasi uns beobachtet hat“, sagt er heute. Erst nach dem Mauerfall erfuhr er, dass informelle Mitarbeiter in die Gruppierungen eingeschleust wurden, dass die Gespräche im Kollegenkreis am Ende Tausende Seiten und mehrere Bände Stasi-Akten füllten.</p>
<p>Den aus seiner Sicht entscheidenden Impuls zur friedlichen Revolution habe schließlich die kritische Beobachtung der Wahlen am 7. Mai 1989 gegeben, hinter vorgehaltener Hand <a href="https://www.n-tv.de/politik/Ein-letztes-Mal-Zettelfalten-in-der-DDR-article20992948.html">„Zettelfalten“</a> genannt: „Wir waren in allen 31 Wahllokalen in unserer Stadt bei der Auszählung dabei und konnten am Ende nachweisen, dass das Wahlergebnis manipuliert war“, sagte Pilz. Dabei sei die Abweichung nicht einmal besonders groß gewesen. Doch dass überhaupt nachweislich falsche Zahlen veröffentlicht wurden, habe weitere Kreise aufhorchen lassen und viele Menschen sensibilisiert. Am 19. Oktober 1989 gehörte Thomas Pilz zu denen, die das Neue Forum in der Oberlausitz vorstellten. In eine Kirche hatte das Forum eingeladen. Am Ende waren drei Kirchen gefüllt und die Rednerinnen und Redner, unter ihnen Pilz, wanderten von Kirche zu Kirche. Mehr als 10.000 Menschen kamen.</p>
<p>„Wir wussten damals nicht, wie dies ausgehen wird“, sagte Thomas Pilz heute rückblickend. Der gewaltsam niedergeschlagene Aufstand vom 17. Juni 1953 sei für viele der Älteren traumatisch und lähmend gewesen. Als 1989 so große Menschenmengen mobilisiert wurden, habe auch die Gefahr in der Luft gelegen, dass die eigentlich friedliche Stimmung in Gewalt umschlägt. Die Demonstrierenden hätten deshalb am Ende sehr bewusst das Friedenslied „Dona nobis pacem  („Gib uns Frieden“) angestimmt: „Mit diesem Lied auf den Lippen entsteht keine gewaltsame Aktion“, sagt der Pfarrerssohn.</p>
<p>Am 18. März 1990 schließlich sei zum ersten Mal wirklich frei gewählt worden &#8211; übrigens mit einem enttäuschenden Ergebnis für die Akteure des Neuen Forums. „Die meisten Menschen haben damals die großen Parteien CDU und SPD gewählt“, sagt Pilz. Das sei eben Demokratie. Bis heute ist er allerdings für Bündnis 90/Die Grünen aktiv und zurzeit Fraktionsvorsitzender der gemeinsamen Fraktion mit der SPD und einer Wählergemeinschaft im Kreistag von Görlitz.</p>
<p><a href="https://www.werkstatt-berufskolleg.de/">Die Schülerinnen und Schüler in Unna</a> haben die ganze Zeit über gespannt zugehört und wollen am Ende genauer wissen, wie der Aufnäher wohl aussah, mit dem der Weg zu den vom Staat so gefürchteten Oppositionellen begann und warum es nur eine Partei gab, die auch noch Einheitspartei genannt wurde. Thomas Pilz beantwortete die Fragen ausführlich und gab manchen Hinweis zur tieferen Beschäftigung mit der Geschichte. Der Glaube an die Unfehlbarkeit der Partei, wie er auch ausgedrückt wird im „Lied der Partei“, einer Lobeshymne auf die SED, sei regelrecht verinnerlicht worden von vielen Menschen.</p>
<p>Warum er persönlich trotz des mächtigen Staatsapparates und trotz mehrfacher polizeilicher „Zuführungen“ keine Angst hatte? „Das System der Diktatur und des Kommunismus basiert auf Angst. Wenn man keine Angst mehr hat, hat das System auch keine Macht mehr“, sagt Pilz, der erst heute im Rückblick ermessen kann, dass die Situation auch für ihn persönlich zeitweise brandgefährlich war. „Ich hatte einfach keine Angst.“</p>
<p>Heute schaue er gleichermaßen beeindruckt und bewegt nach Belarus, wo sich ebenfalls an einer Wahlfälschung eine breite Welle des Protestes entzündet hat.</p>
<p>Weitere Informationen über unsere Angebote zur Erinnerungsarbeit finden Sie<a href="https://ibb-d.de/erinnern/"> hier</a>.</p>
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		<title>Das IBB trauert um eine langjährige Mitstreiterin und Freundin: Maja Krapina starb im Alter von 82 Jahren</title>
		<link>https://ibb-d.de/das-ibb-trauert-um-eine-langjaehrige-mitstreiterin-und-freundin-maja-krapina-starb-im-alter-von-82-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Aug 2018 11:59:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtswerkstatt Leonid Lewin Minsk]]></category>
		<category><![CDATA[IBB "Johannes Rau"]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeugen]]></category>
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					<description><![CDATA[Im 82. Lebensjahr ist ein großer Mensch von uns gegangen &#8211; Maja Isaakowna Krapina. Noch vor einiger Zeit nahm sie an Veranstaltungen der Geschichtswerkstatt &#8222;Leonid Lewin&#8220; Minsk aktiv teil, war immer bereit, den Jugendlichen über die Geschichte des Minsker Ghettos zu erzählen – eine traurige Wahrheit am Beispiel ihres eigenen Schicksals. Damit alle diese Geschichte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-13330" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/08/img_2557-1.jpg" width="1536" height="2048" />Im 82. Lebensjahr ist ein großer Mensch von uns gegangen &#8211; Maja Isaakowna Krapina. Noch vor einiger Zeit nahm sie an Veranstaltungen der Geschichtswerkstatt &#8222;Leonid Lewin&#8220; Minsk aktiv teil, war immer bereit, den Jugendlichen über die Geschichte des Minsker Ghettos zu erzählen – eine traurige Wahrheit am Beispiel ihres eigenen Schicksals. Damit alle diese Geschichte in Erinnerung behalten, damit sich die Tragödie nie mehr wiederholt… .</p>
<p>Wir werden sie sehr vermissen, diese starke, energische Frau, die den anderen ein Beispiel gab, wie man die die Geschichte des Verbrechens unter dem Namen Holocaust nicht vergessen darf….</p>
<p>Aus den Erinnerungen von Alessja Belanowitsch, die mit Maja in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat:</p>
<p>„Das Vorwort zu ihrem Buch „Die dreifach Wiedergeborene. Erinnerungen einer ehemaligen Gefangenen des Minsker Ghettos“ begann Maja Krapina so: „Vor Ihnen liegt mein Buch „Die dreifach Wiedergeborene“. Das sind meine Erinnerungen an das Erlebte. Ich denke, es wäre richtiger, wenn ich dieses Buch eine Beichte genannt hätte. Mein ganzes bewusstes Leben trug ich mit mir meinen Schmerz und meine Erinnerung. Ich habe vieles ertragen müssen und mein schweres Schicksal ist voll von tragischen Geschehnissen und menschlichem Glück. Was überwog? Zeitlich überwog das einfache menschliche Glück, aber das im Krieg Erlebte hinterließ in meiner Seele eine tiefe Spur. Sie ist meine Wunde, die nie ausheilen wird. Sie verheilt allmählich, dann wird sie plötzlich wieder aufgerissen und erinnert mich mit aller Kraft wieder an sich selbst, und schmerzt, schmerzt, schmerzt…“</p>
<p>Maja Krapina. Eine kleine, zierliche Frau mit üppigem Haar, zu einem Ballettstrahl ordentlich gebündelt, strenger, aber freundlicher Blick kleiner, durchdringender schwarzer Augen durch die Brille. Immer gut gelaunt, leicht und beweglich, und nebenan fast immer ihre Freundin und Mitstreiterin in Sachen gesellschaftliches Engagement Frida Reisman. Unermüdlich erzählt sie ihre schmerzliche Geschichte über den Verlust ihrer Eltern im Minsker Ghetto, über die Rettung im Dorf Paretscha, über das Glück in der Ehe mit Igor Krapin, ihrem Mann und Partner in den akrobatischen Übungen, über den Verlust ihrer Tochter und über gute und mitfühlende Enkelkinder.</p>
<p>Maja lernte ich kennen, als ich für die Geschichtswerkstatt in Minsk zu arbeiten begonnen hatte. Maja sorgte dafür, dass die Belarussen, die während des Krieges Juden retteten, den Status Gerechte unter den Völkern bekommen. Sie schrieb Briefe an Yad Vashem und lud die Gerechten, gerettete Juden und die Jugendlichen zu Gesprächen im sogenannten „Warmen Haus“ ein. Wir bereiteten gemeinsam Veranstaltungen in der Geschichtswerkstatt vor. Aber unsere nähere Bekanntschaft erfolgte in der Zeit, als ich nach Berlin übersiedelte und das Glück hatte, Maja während ihrer Treffen mit den deutschen Schülern zu begleiten.</p>
<p>Januar 2014, Berlin: am 27. Januar wohnt eine Gruppe von Zeitzeugen aus Belarus auf Einladung des deutschen Bundestages dessen Festsitzung bei, die dem Tag der Befreiung der Auschwitz-Gefangenen und dem Gedenktag der NS-Opfer gewidmet ist. Maja hört aufmerksam den Rednern zu. Neben ihr sitzt Frida Reisman….</p>
<p>Berlin ist vom Schnee verweht. Maja hat einen Nerzmantel an, ihr üppiges Haar zu einem Schwänzchen zusammengebunden. Sie ist energisch, macht jeden Morgen Gymnastik, am Tag gibt es zwei oder drei Treffen mit den Schülern. Maja schläft in der Nacht nicht, sie erinnert sich an den Krieg und die ermordeten Verwandten. Aber sie gesteht es erst am letzten Tag, als eine ganze Woche intensiver Treffen vorbei ist, wo sie immer wieder die Geschichte ihrer Rettung erzählt. Wir schaffen es, eine kleine Reportage mitzuschreiben. Frage: Was gibt Ihnen Kraft, diese schmerzhafte Geschichte ihres Lebens immer wieder zu erzählen?</p>
<p>Maja: „Die Kinder hörten mir so aufmerksam zu, als ich zu ihnen zum ersten Mal gekommen war, Tränen standen in ihren Augen. Dann kam ich nach Minsk zurück und sagte, warum bekommen  belarussische Kinder das alles nicht zu hören? Wir haben in unserem Programm nichts über die Gefangenen, nicht nur über die aus dem Ghetto, sondern auch über die aus den Konzentrationslagern, oder über die Ostarbeiter. Warum haben wir so was hier nicht? Wahrscheinlich denken unsere Schüler, dass es so etwas gar nicht gegeben hat. Immer, wenn ich eigeladen werde, meine Geschichte zu berichten, fällt es mir schwer, aber ich stimme immer zu. Ich möchte, dass die Jugend alles weiß…“</p>
<p>Ein freier Tag in Berlin vor der Abfahrt. Ich frage Maja, ob sie irgendwelche Wünsche hat. Sie antwortet:“ Nur noch einen Wunsch habe ich. Ich habe einen alten Bekannten, mit dem ich mal zusammen auf Gastspielen war. Er war ein talentierter Musiker, Zimbelspieler. Wollen wir ihn mal besuchen! Für dich wird es auch von Interesse sein, er war nämlich auch im Minsker Ghetto. Mikalaj Schmelkin begrüßte uns in seiner kleinen Wohnung neben dem ehemaligen Flughafen Tempelhof mit Portwein und Bienenstich-Kuchen. Maja und Mikalaj haben einander seit den 90er Jahren nicht mehr gesehen. Viele Erinnerungen. Seine Geschichte der Flucht aus dem Ghetto erzählte Mikalaj nie und niemandem, es fällt ihm schwer, sich daran zu erinnern. Maja bat Mikalaj, einem Treffen mit mir für ein Interview zuzustimmen. So hatte ich dank Maja Glück, Mikalaj Schmelkin kennenzulernen und seine Geschichte der Rettung aus dem Ghetto für die Geschichtswerkstatt aufzuschreiben.</p>
<p>November 2016, Hamburg: ich begleitete Maja zum Abschluss eines Wochenprogramms anlässlich der Eröffnung der Ausstellung über den Vernichtungsort Malyj Trostenez. Maja, sehr müde, aber gut gelaunt, führt fürsorgliche Telefongespräche mit ihrem Mann. Sie erzählt mir, dass sie ihrem Mann Hacksteaks für eine ganze Woche zubereitet hat, und fügt hinzu, diese Reise sei wahrscheinlich ihre letzte Reise nach Deutschland. Wir fahren zusammen nach Berlin. Maja übernachtet bei uns. Morgen fliegt ihre Maschine nach Minsk. Maja fliegt zusammen mit Astrid Sahm. Wir lachen sehr viel. Maja bekam neue Freunde aus dem Kreis der Mitarbeiter und Freiwilligen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.</p>
<p>Dezember 2017, Lübeck: dank der Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ fand man Serafima Strawizkaja-Beilin. Zusammen mit ihrer Schwester gelang ihr die Flucht aus dem Minsker Ghetto. Sie fand ihre Rettung im Dorf Paretscha. Nach dem Krieg übersiedelte sie nach Tula und 1990 emigrierte sie nach Deutschland. Einige Male besuchte sie Paretscha, jedoch war jegliche Verbindung zu Minsk abgebrochen. Über Maja wusste sie aus den Zeitungsartikeln über die Errichtung eines Denkmals für die Gerechten unter den Völkern in Paretscha. Auf dem Zeitungsfoto sind Maja und Frieda. Ich wähle Maja, und zwei Frauen freuen sich über die Bekanntschaft per Telefon. Maja erinnert sich an die ältere Schwester von Serafima, sie erzählt Serafima über ihre Arbeit, die darauf gerichtet ist, dass Paretscha den Titel „Dorf der Gerechten“ bekommt. Serafima erklärt sich einverstanden, einen Brief mit Unterstützung dieser Idee an Yad Vashem zu schreiben.</p>
<p>In einem Bericht für belarussische Massenmedien beantwortet Maja die Frage, warum der Titel „Dorf der Gerechten“ notwendig sei, folgenderweise:</p>
<p>„Ja, das stimmt, die Leute sind nicht mehr am Leben. Aber ich glaube, es wäre richtig, wenn das Dorf diesen Titel bekommt. Es verlangt doch keine Finanzierung. Wenn statt dem Schild „Paretscha 11 km“ das Schild mit der Inschrift „Dorf der Gerechten Paretscha“ stünde, so würden sich die Leute dafür interessieren, warum sie die Gerechten sind und was es bedeutet“.</p>
<p>Die Erinnerung an den Krieg, an ihre eigene Familie zu bewahren, die Geschichte der Rettung zu notieren und die Anerkennung denen zu zollen, die ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Nächsten riskierend die Juden retteten, &#8211; das wurde zum Lebenszweck von Maja seit dem Moment, als Ende der 80er Jahre es überhaupt möglich wurde, sich mit diesem Thema zu befassen. All diese Zeit brachte Maja die Geschichten der Holocaust-Opfer mühevoll in die Kriegsgeschichte zurück. Ihr Buch erschien 2008. Im Vorwort dazu bemerkt sie:</p>
<p>„Nach langem Überlegen beschloss ich, dieses Buch zu schreiben, über mein schweres Leben zu berichten. Es ist meine Pflicht gegenüber dem Andenken der ermordeten Gefangenen des Minsker Ghettos, der älteren Generation, die uns, Kriegskinder, gerettet hat“.</p>
<p>Ein Video mit dem Bericht über den Besuch in Berlin finden Sie hier:</p>
<p><a href="https://vimeo.com/88704538"><u>https://vimeo.com/88704538</u></a></p>
<p>Der Bericht über das Dorf der Gerechten Paretscha:</p>
<p><a href="https://sputnik.by/victory/20170507/1028663760/nepodvig-istoriya-belorusskoj-derevni-gde-v-vojnu-pryatali-40-evrejskih-detej.html"><u>https://sputnik.by/victory/20170507/1028663760/nepodvig-istoriya-belorusskoj-derevni-gde-v-vojnu-pryatali-40-evrejskih-detej.html</u></a></p>
<p>Das Buch von Maja Krapina: „Die dreifach Wiedergeborene. Erinnerungen einer ehemaligen Gefangenen des Minsker Ghettos“ kann man in elektronischer Variante <a href="http://zeitzeugenarchiv.gwminsk.by/de" target="_blank" rel="noopener">im Zeitzeugenarchiv auf der Webseite der Geschichtswerkstatt &#8222;Leonid Lewin&#8220; Minsk</a>  finden.</p>
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		<title>Zum Tod von Micha Schliesser</title>
		<link>https://ibb-d.de/zum-tod-von-micha-schliesser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jocelyne Jakob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Feb 2018 14:04:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeugen]]></category>
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					<description><![CDATA[Micha Schliesser ist in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2018 in Amsterdam gestorben. Sein Sohn schreibt: „Yesterday, after smoking a last cigarette, in the presence of my sister and myself, he died peacefully in his sleep.” Micha hat uns über viele Jahre begleitet. Mit seiner Lebensfreude und Spontanität hat er als Zeitzeuge [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Micha Schliesser ist in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2018 in Amsterdam gestorben. Sein Sohn schreibt: „Yesterday, after smoking a last cigarette, in the presence of my sister and myself, he died peacefully in his sleep.”</p>
<p>Micha hat uns über viele Jahre begleitet. Mit seiner Lebensfreude und Spontanität hat er als Zeitzeuge unsere Erinnerungsarbeit bereichert. Wir werden ihn sehr vermissen.</p>
<p>„Für die Kinder von Westerbork“ lautet der Titel eines gemeinsamen Projektes von Jugendring Dortmund und IBB e.V. Dortmunder Jugendliche begaben sich gemeinsam mit dem „Zug der Erinnerung“ auf die Suche nach Schicksalen Dortmunder Kinder und Jugendlicher. Ihr Weg führte über das Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden. Bei einem Besuch in der dortigen Gedenkstätte lernten wir Micha Schliesser kennen. Seine Eltern, Margarete und Hermann Schliesser, flohen im Februar 1939 aus Berlin in die Niederlande. Sie hatten die vergebliche Hoffnung, von dort weiter in die USA reisen zu können. Micha war zu diesem Zeitpunkt noch kein Jahr alt und erlebte die Flucht auf den Armen seiner Mutter. In den Niederlanden kam die Familie in das Flüchtlingslager Westerbork. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Westerbork zum Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungslager. Micha Schliesser und seine Eltern überlebten bis zur Befreiung durch die Kanadier.</p>
<div id="attachment_12040" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/02/Micha-schliesser-mit-Dortmunder-Jugendliichen_jugendring-DO.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-12040" class="wp-image-12040 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/02/Micha-schliesser-mit-Dortmunder-Jugendliichen_jugendring-DO-300x200.jpg" alt="Micha Schliesser mit einer Gruppe Dortmunder Jugendlicher. Foto: Jugendring Dortmund" width="300" height="200" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/02/Micha-schliesser-mit-Dortmunder-Jugendliichen_jugendring-DO-300x200.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/02/Micha-schliesser-mit-Dortmunder-Jugendliichen_jugendring-DO-768x512.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2018/02/Micha-schliesser-mit-Dortmunder-Jugendliichen_jugendring-DO.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-12040" class="wp-caption-text">Micha Schliesser mit einer Gruppe Dortmunder Jugendlicher. Foto: Jugendring Dortmund</p></div>
<p>Micha war regelmäßig auf Einladung von IBB und Jugendring zu Besuch in Dortmund. Seine Geschichte gab er vielen jungen Menschen mit auf dem Weg. Er erzählte sie, um die Erinnerung wach zu halten. Es gelang ihm aber auch immer, aktuelle Bezüge herzustellen. Beeindruckend war seine Parteinahme für geflüchtete Menschen. Immer wieder stellte er Verbindungen her zwischen seiner Geschichte und dem Schicksal von Menschen, die sich heute auf die Flucht begeben.</p>
<p>Micha gelang es stets, Menschen jeden Alters mit seiner Erzählung zu beeindrucken, viele Dortmunder Kinder und Jugendliche durften ihm begegnen. Dafür sind wir dankbar und vertrauen darauf, dass seine Geschichte nie in Vergessenheit gerät.</p>
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		<title>Zeitzeuge Kurt Marx erzählt im EL-DE-Haus aus seinen Erinnerungen</title>
		<link>https://ibb-d.de/zeitzeuge-kurt-marx-erzaehlt-im-el-de-haus-aus-seinen-erinnerungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Nov 2017 11:32:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtswerkstatt Leonid Lewin Minsk]]></category>
		<category><![CDATA[IBB "Johannes Rau"]]></category>
		<category><![CDATA[Trostenez]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeugen]]></category>
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					<description><![CDATA[Kurt Marx, heute 92 Jahre alt, ist einer der geretteten Schüler der Jawne-Schule in Köln. Als 13-Jähriger wurde er in einen Kindertransport nach London gesetzt und als einer von 130 Schülern der jüdischen Jawne-Schule so vor dem sicheren Tod gerettet. Am Mittwoch, 8. November 2017, sprach er im EL-DE-Haus in Köln vor fast 100 Zuhörern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kurt Marx, heute 92 Jahre alt, ist einer der geretteten Schüler der Jawne-Schule in Köln. Als 13-Jähriger wurde er in einen Kindertransport nach London gesetzt und als einer von 130 Schülern der jüdischen Jawne-Schule so vor dem sicheren Tod gerettet.</p>
<div id="attachment_11117" style="width: 448px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_11.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-11117" class="wp-image-11117" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_11.jpg" alt="Dieses Foto zeigt Kurt Marx im Gespräch mit Larissa Schmitz." width="438" height="323" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_11.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_11-300x221.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_11-768x567.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px" /></a><p id="caption-attachment-11117" class="wp-caption-text">Kurt Marx, 92, berichtete im EL-DE-Haus im Gespräch mit Larissa Schmitz, wie sein Schulleiter Erich Klibansky sein Leben gerettet hat.</p></div>
<p>Am Mittwoch, 8. November 2017, sprach er im EL-DE-Haus in Köln vor fast 100 Zuhörern über seine Jugend in der NS-Zeit, die zum Ende der 1930er Jahre zunehmende, offene Diskriminierung und schließlich über die Rettung durch seinen weitsichtigen Schulleiter Dr. Erich Klibansky. „Vergessen kann man’s nicht – und verstehen auch nicht“, hatte Kurt Marx seinen Vortrag im Rahmen des Begleitprogramms zur Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ überschrieben. Dr. Werner Jung, Leiter des NS-Dokumentationszentrums Köln, begrüßte den Zeitzeugen und führte in den Abend ein (Foto oben). Larissa Schmitz, die Kurt Marx schon vor längerer Zeit persönlich kennengelernt hatte, moderierte ein bewegendes Gespräch.</p>
<p>Seine Kindheit in Köln habe er als sehr unbeschwert erlebt – bis zur Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Er habe gespürt, dass nach dieser Nacht etwas entscheidend anders war. Die Metzgerei seines Onkels wurde schwer beschädigt. Die Schultür blieb ihm verschlossen. Ins Schwimmbad durfte er nicht mehr. Stattdessen musste er die Jawne, das einzige jüdische Reformgymnasium im Rheinland, besuchen – und dies war sein Glück.</p>
<p>Im Januar 1939 organisierte sein Schulleiter Dr. Erich Klibanksy einen Kindertransport nach London und der damals 13-jährige war dabei. In England wurde er von einer Arbeiterfamilie in der Nähe von London aufgenommen, besuchte eine jüdische Schule und begann mit 15 Jahren zu arbeiten. In den ersten Jahren hatte er noch Post von seinen Eltern erhalten. Plötzlich kam nicht eine Postkarte mehr. Den letzten Brief seines Vaters erhielt er im Sommer 1942 – zwei Monate, nachdem die Eltern längst nach Minsk deportiert und dort ermordet worden waren. Jahrzehntelang lebte er mit der Ungewissheit, was aus seinen Eltern geworden ist. Hatte die geplante Emigration in die USA vielleicht doch geklappt? Dass seine Eltern Irma und Siegmund Marx am 22. Juni 1942 nach Minsk deportiert und wenige Tage später dort ermordet worden waren, erfuhr Kurt Marx sehr spät durch das Ende 1999 veröffentlichte Buch „6:00 Uhr ab Messe Köln-Deutz: Deportationen 1938- 1945“ von Dieter Corbach.</p>
<p>Erst vor wenigen Jahren reiste Kurt Marx ein erstes Mal nach Minsk: Im Wald von Blagowschtschina, wo die sterblichen Überreste von Juden aus Westeuropa und Belarus, von sowjetischen Kriegsgefangenen und belarussischen Partisanen in 34 Massengräbern begraben sind,  baut die Stadt Minsk derzeit auch dank der Initiative des IBB Dortmund eine die Opfer würdigende Gedenkstätte.</p>

<a href='https://ibb-d.de/zeitzeuge_kurt_marx_18/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_18-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_18.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_18-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_18-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://ibb-d.de/zeitzeuge_kurt_marx_16/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_16-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_16.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_16-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/11/Zeitzeuge_Kurt_Marx_16-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Schulleiter Erich Klibansky selbst übrigens war mit seiner Frau und drei Söhnen sowie 100 weiteren Schülern der Jawne-Schule ebenfalls nach Minsk deportiert und ermordet worden.</p>
<p>Die deutsch-belarussische Wanderausstellung, die bis zum 18. Februar 2018 in Köln im EL-DE-Haus zu sehen ist, erzählt beispielhaft sein Schicksal.</p>
<p>Kurt Marx ist noch einige Tage in Köln unterwegs mit seinem Sohn und seiner Enkeltochter.</p>
<p><a href="http://www1.wdr.de/kinder/radio/kiraka/wir/zu-besuch-im-studio/studiogast-kurt-marx-100.html" target="_blank" rel="noopener">Einen Beitrag des Kinderradiokanals KiRaKa des WDR über die Erinnerungen von Kurt Marx finden Sie hier.<br />
</a><br />
<strong>Die Öffnungszeiten der Ausstellung in Köln: </strong></p>
<p>Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.<br />
Samstag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 18 Uhr.<br />
Jeden ersten Donnerstag im Monat (außer Feiertag) bis 22 Uhr.</p>
<p><strong>Träger der Ausstellung sind:</strong></p>
<p>Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund),<br />
die<a href="http://ibb-minsk.by/de"> Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk)</a> und<br />
die <a href="http://www.stiftung-denkmal.de/startseite.html">Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas</a>.</p>
<p>Die Ausstellung wird gefördert durch den <a href="http://www.volksbund.de/home.html">Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.</a> und das <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Startseite_node.html">Auswärtige Amt</a>.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/publikationen/publikation-bestellung/">Der Katalog zur Ausstellung kann bei uns bestellt werden</a> (Schutzgebühr 10 Euro).</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Begleitprogramm_zur_Ausstellung_Malyj_Trostenez_in-_Koeln_1610.pdf" target="_blank" rel="noopener">Weitere Informationen über das Begleitprogramm zur Ausstellung in Köln finden Sie hier.</a></p>
<p><a href="https://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/" target="_blank" rel="noopener">Weitere Informationen über das Initiative für eine die Opfer würdigende Gedenkstätte Trostenez finden Sie hier.</a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez“ erinnert an Kölner Lebensretter Klibanksy und weist Wege zur Versöhnung</title>
		<link>https://ibb-d.de/ausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung-erinnert-an-koelner-lebensretter-klibansky-und-weist-wege-zur-versoehnung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Oct 2017 14:37:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtswerkstatt Leonid Lewin Minsk]]></category>
		<category><![CDATA[IBB "Johannes Rau"]]></category>
		<category><![CDATA[Trostenez]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeugen]]></category>
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					<description><![CDATA[Sie erinnert an kaum vorstellbare Gräueltaten von Deutschen auf belarussischem Boden und weist den Weg zur Versöhnung. Die Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist seit Mittwoch, 18. Oktober 2017, im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, in Köln zu sehen. Vor rund 100 Gästen sagte Peter Junge-Wentrup, langjähriger Geschäftsführer des IBB Dortmund: „Heute bin ich sehr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie erinnert an kaum vorstellbare Gräueltaten von Deutschen auf belarussischem Boden und weist den Weg zur Versöhnung. Die Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist seit Mittwoch, 18. Oktober 2017, im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, in Köln zu sehen. Vor rund 100 Gästen sagte Peter Junge-Wentrup, langjähriger Geschäftsführer des IBB Dortmund: „Heute bin ich sehr optimistisch, dass die Gedenkstätte Trostenez zu einer Brücke der Verständigung wird, wenn wir dies als Zivilgesellschaft wollen und engagiert vorantreiben.“</p>
<div id="attachment_10927" style="width: 296px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9326.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10927" class="wp-image-10927" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9326.jpg" alt="" width="286" height="176" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9326.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9326-300x185.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9326-768x474.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></a><p id="caption-attachment-10927" class="wp-caption-text">Dr. Werner Jung begrüßte rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer.</p></div>
<p>Dr. Werner Jung, Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, hatte in seiner Begrüßung betont: „Wir wissen heute über die Deportierten aus der Region sehr viel. Und ich freue mich, dass wir heute erinnern können an die 1164 und alle anderen, die grausam ermordet worden sind.“</p>
<p>Am 20. Juli 1942 hatte sich der Deportationszug am Bahnhof Deutz-Tief in Bewegung gesetzt in Richtung Minsk. 1164 Männer, Frauen und Kinder – unter ihnen auch die Kinder aus dem jüdischen Kinderheim und dem jüdischen Waisenhaus &#8211; wurden in Malyj Trostenez, wenige Kilometer südöstlich der Hauptstadt Minsk ermordet. Nicht einer der Deportierten aus Köln überlebte.</p>
<p>In der Region Köln haben Akteure der Erinnerungskultur aus unterschiedlichen Initiativen die Archive durchforstet und unter wissenschaftlicher Begleitung von Dr. Karola Frings die historischen Spuren wie ein Puzzle zusammengesetzt. Entstanden ist ein Gedenkbuch, das vor drei Jahren veröffentlicht werden konnte. „Wir sind stolz, dass wir dieses Gedenkbuch in Minsk anlässlich der Grundsteinlegung für die Gedenkstätte Trostenez überreichen konnten“, sagte Dr. Werner Jung.</p>
<p>Zwei Stelen, speziell zu den Schicksalen der Deportierten aus Köln, konnte der Kölner Trägerkreis der Ausstellung ergänzen. „Wir sind hier zu 200 Personen in der Messehalle“, heißt es in einem dort abgedruckten, handgeschriebenen Brief: „Unser Transport geht morgen … wie es heißt nach Minsk in der Südukraine, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Es gibt in Russland zwei verschiedene Orte Minsk. Wir sind alle guten Mutes.“</p>
<p>Einer der Deportierten aus Köln war Dr. Erich Klibanksy, Leiter des jüdischen Reformrealgymnasiums Jawne in Köln. Sein Schicksal wird beispielhaft erzählt als eine von sieben Biografien in der Wanderausstellung. Der weitsichtige Schulleiter brachte fast 130 seiner Schüler nach Großbritannien in Sicherheit. Er selbst, seine Frau Meta und seine drei Kinder fanden in Malyj Trostenez einen grausamen Tod.</p>

<a href='https://ibb-d.de/ausstellung_koeln_9317/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="655" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_koeln_9317-1024x655.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" /></a>
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<p>Dr. Ursula Reuter, Vorsitzende des Fördervereins des Lern- und Gedenkorts Jawne, leitete ihre Ansprache mit einem Zitat des Holocaust-Überlebenden Rudi Herz ein: „Ich kann mich nur noch erinnern an die Todesstille, die in der Jawne herrschte.“ Am 19. Juli 1942 war die Schule – die damals bereits auf Druck der Nazis nur noch als Sammelunterkunft für jüdische Mitbürger diente – geräumt und plötzlich totenstill. Alle Bewohner waren bereit zum Sammeltransport nach Minsk.</p>
<p>Das Leben von Meta und Erich Klibansky würdigt der Lern- und Gedenkort Jawne mit einer Ausstellung vom 26. Oktober bis 30. April 2018 im Rahmen des Begleitprogramms. Aktivitäten wie diese Ausstellung seien Beiträge, „damit es nicht die Todesstille ist, die bleibt“, sagte Dr. Ursula Reuter, „sondern die Erinnerung an das Leben der Ermordeten.“</p>
<p>Bürgermeister Andreas Wolter richtete den Blick mahnend in die Zukunft: „Wir müssen uns der Erinnerung an die NS-Vernichtungspolitik stellen, das sind wir den Opfern schuldig. Die Ausstellung zeigt uns: Abgrenzung und Überlegenheitswahn führen ins Verderben.“ Die Ausstellung sei besonders wichtig für die Jugend.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_köln_9384-e1508598887480.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10933" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_köln_9384-e1508598887480.jpg" alt="" width="1024" height="371" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_köln_9384-e1508598887480.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_köln_9384-e1508598887480-300x109.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/ausstellung_köln_9384-e1508598887480-768x278.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>Peter Junge-Wentrup, langjähriger Geschäftsführer des IBB Dortmund, erinnerte an den Entstehungsprozess der Ausstellung, die in einer deutsch-belarussischer Kooperation erarbeitet wurde und vom IBB Dortmund, der IBB „Johannes Rau“ Minsk und der Stiftung Denkmal für die ermordeten <a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_Köln_9356-e1508599336142.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10932 alignright" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_Köln_9356-e1508599336142.jpg" alt="" width="316" height="196" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_Köln_9356-e1508599336142.jpg 861w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_Köln_9356-e1508599336142-300x186.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_Köln_9356-e1508599336142-768x477.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px" /></a>Juden Europas in internationaler Trägerschaft realisiert wurde. Dass sie nun auch in mehr als 20 Städten gezeigt werden kann, sei dem <a href="http://www.volksbund.de/home.html" target="_blank" rel="noopener">Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.</a> zu verdanken, der das Projekt gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt unterstützt, berichtete Peter Junge-Wentrup den rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Ausstellung möchte aber nicht nur einen in Westeuropa wenig bekannten Vernichtungsort in der öffentlichen Wahrnehmung verankern, sondern auch den Weg zu einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur weisen. Peter Junge-Wentrup berichtete deshalb über die Initiative für eine würdige Gedenkstätte im Wald von Blagowschtschina, die zurzeit bereits Gestalt annimmt. Im kommenden Jahr kann sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden „im Beisein von hoffentlich vielen Gästen aus Deutschland &#8211; auch aus der Region Köln-Bonn“, sagte Peter Junge-Wentrup. „Uns allen ist es ein Anliegen, an den Vernichtungsfeldzug zu erinnern und Wege der Verständigung zu suchen.“</p>
<div id="attachment_10841" style="width: 308px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/ausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung-in-brest-eroeffnet/" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10841" class="wp-image-10841" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03.jpg" alt="" width="298" height="223" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px" /></a><p id="caption-attachment-10841" class="wp-caption-text">Ein versteckt liegender Gedenkstein erinnert an die Mordstätte Bronnaja Gora. Foto: IBB &#8222;Johannes Rau&#8220; Minsk</p></div>
<p>Gabriel Heim, Publizist und Enkel der Deportierten Marie Winter, erzählte nachdenklich von seiner nur wenige Tage zurückliegenden Reise zur Eröffnung der Wanderausstellung, am 12. Oktober 2017, in Brest an der polnisch-belarussischen Grenze. Die einst jüdische Stadt Brest sei „ein Ort mit einer bewegten, um nicht zu sagen erschütterten Vergangenheit; an der Nahtstelle Jahrhunderte währender europäischer Machtkämpfe.“ Brest hatte 1941/42 unter deutscher Besetzung ein Inferno erlitten.</p>
<p>Die Teilung Europas und der „Eiserne Vorhang“ habe die Aufarbeitung und die gemeinsame Erinnerung lange erschwert, resümierte Heim. „Die damals in der Sowjetunion praktizierte Sicht auf den „Großen Vaterländischen Krieg“ ließ keine Differenzierung nach Opfergruppen zu“, sagte Heim. „Es gab nur eine Chiffre: Den im heldenhaften Kampf gegen den Nazistischen Aggressor gefallenen Sowjet-Menschen.“ In Belarus sei diese Sicht noch vielerorts anzutreffen.</p>
<p>Die „kleine, aber inhaltlich bedeutsame Ausstellung zum Vernichtungsort Malyj Trostenez“ sei ein Wegweiser, sagte Gabriel Heim, der weit über die Ortsbezeichnung hinaus weise. „Denn sie schlägt Brücken: In Hamburg und in Köln &#8211; in Minsk und in Brest.“</p>
<p><strong>Begleitprogramm für die Region Köln und Bonn</strong></p>
<div id="attachment_10828" style="width: 98px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Begleitprogramm_zur_Ausstellung_Malyj_Trostenez_in-_Koeln_1610.pdf"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10828" class="wp-image-10828" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Deckblatt-Begleitprogramm_Koeln.png" alt="" width="88" height="182" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Deckblatt-Begleitprogramm_Koeln.png 327w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Deckblatt-Begleitprogramm_Koeln-145x300.png 145w" sizes="auto, (max-width: 88px) 100vw, 88px" /></a><p id="caption-attachment-10828" class="wp-caption-text">Bitte beachten Sie auch die Veranstaltungen des Begleit- programms.</p></div>
<p>Eingebettet ist die Wanderausstellung in ein vielfältiges Begleitprogramm, das von vielen Initiativen aus der Region getragen wird. So hat die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus e. V. am Donnerstag, 19. Oktober, eine kleine Ausstellung zu Deportierten aus Bonn eröffnet. Am 8. November 2017 wird mit Kurt Marx ein Holocaust-Überlebender erwartet, der durch Erich Klibansky nach Großbritannien verschickt und damit gerettet worden war. Am Dienstag, 28. November 2017, berichtet Historiker Dr. Alexander Dalhouski über die Geschichte der Wahrnehmung des Vernichtungsortes Malyj Trostenez.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Begleitprogramm_zur_Ausstellung_Malyj_Trostenez_in-_Koeln_1610.pdf" target="_blank" rel="noopener">Alle Veranstaltungen des Begleitprogramms finden Sie hier.</a></p>
<p><strong>Die Öffnungszeiten in Köln:</strong></p>
<p>Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.</p>
<p>Samstag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 18 Uhr.</p>
<p>Jeden ersten Donnerstag im Monat (außer Feiertag) bis 22 Uhr.</p>
<p><strong>Träger der Ausstellung sind:</strong></p>
<p>Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund),<br />
die<a href="http://ibb-minsk.by/de"> Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk)</a> und<br />
die <a href="http://www.stiftung-denkmal.de/startseite.html">Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas</a>.</p>
<p>Die Ausstellung wird gefördert durch den <a href="http://www.volksbund.de/home.html">Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.</a> und das <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Startseite_node.html">Auswärtige Amt</a>.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/publikationen/publikation-bestellung/">Der Katalog zur Ausstellung kann bei uns bestellt werden</a> (Schutzgebühr 10 Euro).</p>
<p><strong>Die Ausstellung in Köln fand auch bereits ein lebhaftes Medienecho: </strong></p>
<p><a href="http://www.ksta.de/kultur/ausstellung-die-vergessene-vernichtungsstaette-28615896" target="_blank" rel="noopener">Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet am 19. Oktober 2017.</a></p>
<p><a href="http://www.rundschau-online.de/region/koeln/ns-dokumentationszentrum-ausstellung-ueber-vernichtungslager-bei-minsk--28615252" target="_blank" rel="noopener">Die Kölnische Rundschau berichtet am 19. Oktober 2017 über die Ausstellung.<br />
</a></p>
<p><a href="https://www.report-k.de/Koeln-Nachrichten/Koeln-Nachrichten/Malyj-Trostenez-NS-Dok-erinnert-an-groesstes-NS-Vernichtungslager-auf-sowjetischem-Boden-85833" target="_blank" rel="noopener">Die Kölner Internet-Zeitung report.k berichtet am 19. Oktober 2017 über die Ausstellung. </a></p>
<p><a href="http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Ausstellung-zur-Deportation-der-Bonner-Juden-article3681612.html" target="_blank" rel="noopener">Der Bonner Generalanzeiger berichtet am 21. Oktober 2017 über die begleitende Ausstellung in Bonn.</a></p>
<p><a href="http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/149/1491167/wdrzeitzeichen_2017-10-13_malytrostenezletztejudentransporteimoktober1942_wdr5.mp3" target="_blank" rel="noopener">Einen aktuellen deutschsprachigen Radiobeitrag in der Reihe „Zeitzeichen“ über den Vernichtungsort Malyj Trostenez finden Sie hier.</a></p>
<p><a href="https://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/" target="_blank" rel="noopener">Weitere Informationen über die Wanderausstellung und die Initiative für eine würdige Gedenkstätte Trostenez finden Sie hier.</a></p>
<p>Fotos: IBB Dortmund &#8211; Mechthild vom Büchel</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ in Brest eröffnet</title>
		<link>https://ibb-d.de/ausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung-in-brest-eroeffnet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mechthild vom Büchel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Oct 2017 03:29:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnern]]></category>
		<category><![CDATA[IBB "Johannes Rau"]]></category>
		<category><![CDATA[Trostenez]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[NS-Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeugen]]></category>
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					<description><![CDATA[An einem historischen Ort,  in der Mahn- und Gedenkstätte Heldenfestung Brest, eröffnete Peter Dettmar, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Belarus (Foto rechts), am Donnerstag, 12. Oktober 2017, die belarussisch-deutsche Wanderausstellung “Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung.“  Vor rund 70 Gästen – unter ihnen Zeitzeugen und ihre Angehörigen &#8211; sagte er, der Vernichtungsort Trostenez stehe als [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>An einem historischen Ort,  in der Mahn- und Gedenkstätte Heldenfestung Brest, eröffnete Peter Dettmar, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Belarus (Foto rechts), am Donnerstag, 12. Oktober 2017, die belarussisch-deutsche Wanderausstellung “Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung.“  Vor rund 70 Gästen – unter ihnen Zeitzeugen und ihre Angehörigen &#8211; sagte er, der Vernichtungsort Trostenez stehe als ein Symbol für viele deutsche Verbrechen in Belarus. Während der deutschen Besetzung wurden unzählige Zivilpersonen, Ghettoinsassen, Partisanen, sowjetische Kriegsgefangene und andere Häftlinge Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Es sei wichtig für die Zukunft des Miteinanders in Europa, dem Vergessen zu widerstehen und diese Erinnerung zu bewahren.</p>

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<div id="attachment_10845" style="width: 252px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_11.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10845" class="wp-image-10845" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_11.jpg" alt="" width="242" height="182" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_11.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_11-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_11-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px" /></a><p id="caption-attachment-10845" class="wp-caption-text">Dr. Viktor Balakirev.</p></div>
<p>Dr. Viktor Balakirev, belarussischer Direktor der IBB „Johannes Rau“ Minsk, schilderte die wissenschaftliche Forschungsarbeit, die der deutsch-belarussischen Ausstellung vorausgegangen war. “Diese Ausstellung ist einzigartig“, betonte er. „Historiker aus Belarus und Deutschland, Österreich und Tschechien haben zwei Jahre lang eng zusammengearbeitet und wir verstehen, dass jedes dieser Länder seine eigene Erinnerungskultur hat und seine eigene Interpretation dessen, was zwischen 1939 und 1945 passiert ist.“</p>
<p>Gregory Bysyuk, Direktor der heutigen Mahn- und Gedenkstätte Heldenfestung Brest, betonte das besondere Datum der Ausstellungseröffnung: „Am 15. Oktober begeht Brest den 75. Jahrestag der Vernichtung des jüdischen Ghettos am Ort. Die Stadt Brest zählte vor dem Krieg noch 75.000 Einwohner. Danach nur noch ungefähr 15.000.“</p>
<div id="attachment_10849" style="width: 252px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_13.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10849" class="wp-image-10849" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_13.jpg" alt="" width="242" height="182" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_13.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_13-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_13-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px" /></a><p id="caption-attachment-10849" class="wp-caption-text">Gabriel Heim.</p></div>
<p>Mit Gabriel Heim aus Basel nahm auch ein Angehöriger einer nach Malyj Trostenez Deportierten an der feierlichen Eröffnung der Wanderausstellung teil. &#8222;Von Berlin, Hamburg oder Köln aus betrachtet, erscheint uns Minsk noch immer sehr weit weg zu sein“, schilderte Gabriel Heim seine Eindrücke. „So weit weg, dass uns drohte zu vergessen, welches Unheil von Deutschen und im Namen Deutscher in Weißrussland verübt worden ist. Das ganze Land ist übersät mit Orten der Vernichtung &#8211; sie alle zu nennen, würde unser Vermögen erinnern zu können übersteigen. So ist es denn nur folgerichtig und notwendig mit den Todesstätten von Malyj Trostenez bei Minsk einen Ort gegen das Vergessen zu schaffen &#8211; um von dort aus Wege der Erinnerung &#8211; auch nach Berlin, Hamburg oder Köln zu bauen.&#8220;</p>
<p>Gabriel Heim hat die Lebensgeschichte seiner Großmutter Marie Winter aus Berlin anhand von Briefen an ihre Tochter nachgezeichnet und 2013 in der biografischen Erzählung „Ich will keine Blaubeertorte, ich will nur raus“ veröffentlicht. In Brest nahm er zusammen mit Alexander Dalhouski, Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk, auch an Gesprächen über die gemeinsame deutsch-belarussische Geschichte in der Brester Universität und in der Brester Stadtbibliothek teil. Dabei erzählte er den aufmerksam zuhörenden Schülern und Studierenden über das Schicksal seiner Großmutter.</p>

<a href='https://ibb-d.de/ausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung-erinnert-an-koelner-lebensretter-klibansky-und-weist-wege-zur-versoehnung/ausstellung_in_brest_03/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_03-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://ibb-d.de/ausstellung_in_brest_02/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_02-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_02.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_02-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_02-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://ibb-d.de/ausstellung_in_brest_01/'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_01-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large" alt="" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_01.jpg 1024w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_01-300x225.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/10/Ausstellung_in_Brest_01-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Auf dem Weg aus Minsk nach Brest hatte die deutsch-belarussische Delegation, der neben Vertretern der deutschen Botschaft und der IBB &#8222;Johannes Rau&#8220; Minsk auch die stellvertretende Leiterin der Vertretung des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge in Belarus angehörte, am Gedenkstein bei Bronnaja Gora einen Kranz niedergelegt und dort der mehr als 50 000 – überwiegend jüdischen &#8211; Menschen gedacht, die während der deutschen Besatzung an diesem Ort ermordet worden waren.</p>
<p>Die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist in Brest noch bis zum 17. Dezember 2017 zu sehen.</p>
<p><strong>Wanderausstellung wird am Mittwoch, 18. Oktober 2017, in Köln eröffnet</strong></p>
<p>In Deutschland wird die deutsch-belarussische Wanderausstellung als nächstes in Köln gezeigt. Am Mittwoch, 18. Oktober 2017, um 19 Uhr wird sie im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, in Köln eröffnet. Die Wanderausstellung ist bis zum 18. Februar 2018 in Köln zu sehen.</p>
<p><strong>Die Öffnungszeiten in Köln:</strong></p>
<p>Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.</p>
<p>Samstag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 18 Uhr.</p>
<p>Jeden ersten Donnerstag im Monat (außer Feiertag) bis 22 Uhr.</p>
<p><strong>Träger der Ausstellung sind:</strong></p>
<p>Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund),<br />
die<a href="http://ibb-minsk.by/de"> Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk)</a> und<br />
die <a href="http://www.stiftung-denkmal.de/startseite.html">Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas</a>.</p>
<p>Die Ausstellung wird gefördert durch den <a href="http://www.volksbund.de/home.html">Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.</a> und das <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Startseite_node.html">Auswärtige Amt</a>.</p>
<p><a href="https://ibb-d.de/publikationen/publikation-bestellung/">Der Katalog zur Ausstellung kann bei uns bestellt werden</a> (Schutzgebühr 10 Euro).</p>
<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=TQjOwdmdjZw" target="_blank" rel="noopener">Einen Bericht des Regionalsenders Bug TV über die Ausstellungseröffnung in Brest finden Sie hier.</a></p>
<p><a href="http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/149/1491167/wdrzeitzeichen_2017-10-13_malytrostenezletztejudentransporteimoktober1942_wdr5.mp3" target="_blank" rel="noopener">Einen aktuellen deutschsprachigen Radiobeitrag in der Reihe „Zeitzeichen“ über den Vernichtungsort Malyj Trostenez finden Sie hier.</a></p>
<p><a href="https://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/" target="_blank" rel="noopener">Weitere Informationen über die Wanderausstellung und die Initiative für eine würdige Gedenkstätte Trostenez finden Sie hier.</a></p>
<p>Fotos: IBB &#8222;Johannes Rau&#8220; Minsk</p>
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		<title>Unsere Europa-Kolumne 2: Ein Leben als Europäerin</title>
		<link>https://ibb-d.de/unsere-europa-kolumne-2-ein-leben-als-europaeerin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jocelyne Jakob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2017 09:15:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa erfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Dortmund]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[politische Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Teodora ist jung, gebildet und kommt aus Bulgarien. In Deutschland versucht sie, über Ländergrenzen hinweg ein Familienleben zu führen. Vorurteile bekämpft sie mit Humor und kulturellem Austausch. Teodora Yankova wird am Schwarzmeer, 2250 Kilometer entfernt vom Ruhrgebiet, in Warna, der drittgrößten Stadt Bulgariens geboren, wo sie ein Gymnasium besucht, das sich auf erweiterten Spracherwerb spezialisiert [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Teodora ist jung, gebildet und kommt aus Bulgarien. In Deutschland versucht sie, über Ländergrenzen hinweg ein Familienleben zu führen. Vorurteile bekämpft sie mit Humor und kulturellem Austausch. </strong></p>
<p>Teodora Yankova wird am Schwarzmeer, 2250 Kilometer entfernt vom Ruhrgebiet, in Warna, der drittgrößten Stadt Bulgariens geboren, wo sie ein Gymnasium besucht, das sich auf erweiterten Spracherwerb spezialisiert hat. Ihr Schwerpunk ab der fünften Klasse: Deutsch. Das Programm: Sprache, Landeskunde, Geschichte.</p>
<p>Anschließend belegt sie an der Universität in Sofia Europastudien. Obwohl die junge Frau immer wieder von Bekannten hört, dass Deutsche zwar höflich, aber distanziert seien, entscheidet sie sich kurz vor dem Ende ihres Studiums, ein Erasmussemester in Saarbrücken zu absolvieren. Heute, so sagt sie, wisse sie, dass es sehr wohl auch gastfreundliche und hilfsbereite Deutsche gebe.</p>
<h4>Mehr internationale als bulgarische Freunde</h4>
<div id="attachment_10642" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10642" class="wp-image-10642 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-1-300x253.jpg" alt="Teodora auf dem Weg zur Arbeit bei der Auslandsgesellschaft NRW e.V.: Kultureller Austausch ist mittlerweile ihr Beruf und ihre Leidenschaft." width="300" height="253" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-1-300x253.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-1-768x649.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-1.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-10642" class="wp-caption-text">Teodora auf dem Weg zur Arbeit bei der Auslandsgesellschaft NRW e.V.: Kultureller Austausch ist mittlerweile ihr Beruf und ihre Leidenschaft. Foto: Chantal Stauder</p></div>
<p>Teodora nimmt während ihres Studiums an drei Programmen für Jugendbegegnungen der EU teil. In Camps in Zypern, Spanien und Mazedonien trifft sie auf junge Menschen aus ganz Europa. Die Jugendbegegnungen stellen ihr Bild von anderen Nationalitäten komplett auf den Kopf. Vermeintlich nationale Eigenheiten entpuppen sich als Vorurteile und Klischees.</p>
<p>Mittlerweile hat die 26-Jährige mehr internationale als bulgarische Freunde. Sie strahlt: „Ich habe eins gelernt: Man darf nicht darauf hören, was andere sagen. Man muss unbedingt seine eigenen Erfahrungen und sich selbst ein Bild machen.&#8220; Die Bulgarin ist so begeistert, dass kultureller Austausch ihre Leidenschaft wird. „Man erlebt so eine intensivere Zeit. Diese Erfahrungen vergisst man nicht, weil man sie im aus erster Hand direkt von der Quelle sammelt.“</p>
<h4>Das Bild der Armutsmigration im Kopf</h4>
<p>Teodora arbeitet heute für die Auslandsgesellschaft NRW e.V. in Dortmund und führt seitdem ein europäisches Familienleben: Ihre Schwester lebt in London, ihre Eltern in Bulgarien. Teodora nutzt die Freizügigkeit und pendelt. Teodora weiß, dass nur wenige ihre Lebensrealität nachempfinden können.</p>
<p>Auf diese Weise Europäer zu sein, gehört nicht zur Erfahrungswelt vieler. Sie fragt sich, ob vielleicht auch deswegen so viele Menschen missverstehen, worin Integration besteht. „Integration bedeutet nicht, zu vergessen, wo man herkommt und wer man ist. Erfolgreiche Integration bedeutet, sich in beiden Umgebungen gleichermaßen zuhause fühlen und identifizieren zu können.“</p>
<h4>Was lernen Deutsche über Bulgarien?</h4>
<div id="attachment_10640" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/BIld-3_Foto-Chantal-Stauder.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10640" class="wp-image-10640 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/BIld-3_Foto-Chantal-Stauder-300x200.jpg" alt="Die 26-Jährige rät zu Erfahrungen aus erster Hand: Es sind Vorurteile zu glauben, dass Bulgaren arm und Deutsche distanziert und kalt seien." width="300" height="200" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/BIld-3_Foto-Chantal-Stauder-300x200.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/BIld-3_Foto-Chantal-Stauder-768x512.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/BIld-3_Foto-Chantal-Stauder.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-10640" class="wp-caption-text">Die 26-Jährige rät zu Erfahrungen aus erster Hand: Es sind Vorurteile zu glauben, dass Bulgaren arm und Deutsche distanziert und kalt seien. Foto Chantal Stauder</p></div>
<p>Wenn Menschen hören, dass sie aus Bulgarien kommt, bringen viele die Bilder, die sie in den Nachrichten sehen, mit ihr in Verbindung. „Das Bild, das viele haben, ist das von der Armutsmigration.“</p>
<p>In einem Vorstellungsgespräch wird sie gefragt, was sie meinen würde, warum so viele Bulgaren und Roma nach Deutschland kommen und welche Bedingungen geschaffen werden müssten, damit sie fernbleiben. Teodora denkt an ihre Freunde, die arbeiten, Pharmazie oder Medizin studiert haben. Sie weiß, es ist ein Vorurteil, zu denken, alle, die nach Deutschland kommen, seien arm. Ihre Realität besteht aus anderen Fakten.</p>
<p>Für Teodora steckt hinter dem Interesse vieler Bulgaren Neugierde. Deutschland und andere europäische Länder sind in vielen bulgarischen Sprachgymnasien Gegenstand des Schulunterrichts. Umgekehrt ist das eher selten der Fall. „Wenn man Deutsche nach Bulgarien fragt, erschöpfen sich die Kenntnisse oft mit dem Schlagwort ‚ehemaliger Ostblock‘. Meist wird das ‚ehemalige‘ dabei noch vergessen“, so Teodora.</p>
<h4>Vorurteile, die Deutsche nicht kennen</h4>
<p>Als Bulgarin ist sie in ihrem deutschen Alltag manchmal mit Vorurteilen konfrontiert. Peinlichkeiten, über die sie trotzdem lachen kann. „Menschen machen mir zum Beispiel manchmal sehr komische Komplimente. Sie sagen: Sie sind viel zu hübsch für eine Bulgarin.“</p>
<p>Andere wundern sich, warum sie so gut Deutsch sprechen könne. Etwas, das Deutschen in der Form in Bulgarien eher nicht passieren würde. Ermutigend fügt sie hinzu: „Deutsche können sich geehrt fühlen, dass andere Menschen ein solches Interesse an ihrem Land zeigen. Sie könnten Vorbild dafür sein, wie man Leute willkommen heißt.“</p>
<p><em>Chantal Stauder</em></p>
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		<title>Was denkt der Pott über Europa? – die Europa-Kolumne &#8211; Auftakt</title>
		<link>https://ibb-d.de/was-denkt-der-pott-ueber-europa-die-europa-kolumne-auftakt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jocelyne Jakob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2017 09:15:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa erfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[politische Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[IBB e.V. arbeitet immer daran Grenzen zu überwinden. Mit unserer neuen Europa-Kolumne reagieren wir darauf, dass innerhalb der Europäischen Union wieder Grenzen errichtet werden und das Friedensprojekt EU von vielen Menschen in Frage gestellt wird. Seit September erzählen wir Geschichten von Menschen, die ihre Alltagserfahrungen in und mit Europa beschreiben. Die zum Nachdenken darüber anregen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>IBB e.V. arbeitet immer daran Grenzen zu überwinden. Mit unserer neuen Europa-Kolumne reagieren wir darauf, dass innerhalb der Europäischen Union wieder Grenzen errichtet werden und das Friedensprojekt EU von vielen Menschen in Frage gestellt wird.</p>
<p>Seit September erzählen wir Geschichten von Menschen, die ihre Alltagserfahrungen in und mit Europa beschreiben. Die zum Nachdenken darüber anregen, was europäische Zusammenarbeit für jede/n von uns an Positivem bereithält.</p>
<h4>Europa ist vor unserer Haustür &#8211; wir müssen es nur wahrnehmen.</h4>
<p>Dortmund ist eine „Europaaktive Kommune“, daher stehen hinter der Kolumne neben dem IBB auch die Auslandsgesellschaft NRW, der Jugendring Dortmund und die Stadt Dortmund.<br />
Die Europa-Kolumne erscheint im Rahmen einer Medienpartnerschaft monatlich im coolibri, dem bekannten Stadtmagazin und anschließend auf unserer Website.</p>
<p>Wir bedenken uns bei allen Interviewpartnern, die ihre Geschichten schon erzählt haben oder noch erzählen werden und der Autorin der Kolumne, Chantal Stauder.</p>
<hr />
<h2><strong>„Ich fühle mich von Großbritannien verlassen“<br />
</strong><strong>John Brogden und der Brexit</strong></h2>
<p><strong>1973 ist das Jahr, in dem Großbritannien der EU beitritt. Im selben Jahr siedelt ein junger Brite wegen seiner ersten Frau – einer Deutschen – aufs europäische Festland über. Damit wird John Brogden aus Whitefield bei Manchester einer der ersten Briten, die die Freizügigkeit als EU-Bürger genießen können. 43 Jahre später beschließt eine knappe Mehrheit der Briten den Ausstieg aus der EU. Der Brexit hat John den Anstoß gegeben, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.</strong></p>
<div id="attachment_10638" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10638" class="wp-image-10638 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-300x200.jpg" alt="Metallschild auf einer Kamera: John versteht sich als Europäer und Dortmunder." width="300" height="200" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-300x200.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder-768x512.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-2_Foto-Chantal-Stauder.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-10638" class="wp-caption-text">Metallschild auf einer Kamera: John versteht sich als Europäer und Dortmunder. Foto: Chantal Stauder</p></div>
<p>Gold, glänzend, wertig schimmert die Aufschrift „John Brogden, hand-made large-format cameras, Dortmund, Germany“ in Großbuchstaben auf den kleinen, ovalen Metallschildern, die seit kurzem die handgemachten Kameras des Wahldortmunders zieren. Der Europäer der ersten Stunde lebt heute mit seiner zweiten Frau Odile in Dortmund. Sie kommt aus Frankreich. Beide arbeiten im Ruhrgebiet als Übersetzer.</p>
<p>Bis sich John als Übersetzer in Dortmund selbstständig macht, arbeitet er in einem Übersetzungsbüro in Düsseldorf. In der Landeshauptstadt kommt er in Kontakt mit Kunst, Kultur und Fotografie, für die er sich bis heute begeistert. Er lernt den Mechanismus von analogen Kameras verstehen und beginnt selbst aufwendige Großformatkameras zu bauen. Heute vertreibt er sie explizit als lokales Dortmunder Produkt.</p>
<h4>Ode an die Freude</h4>
<p>Wenn der höfliche, fröhliche Brite an Europa denkt, fällt ihm das Gefühl des Mittendrin-Seins und die Melodie von Ludwig van Beethovens Sinfonie „Ode an die Freude“ ein. John strahlt und sagt: „Ich lebe sehr gerne in Deutschland. Seit Jahren wollte ich die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen, aber bisher gab es keinen dringenden Grund dafür. Seit dem Brexit fühle ich mich hier auf dem Kontinent als Brite verlassen und als überzeugter Europäer irgendwie staatenlos.“ John weiß, dass er Glück hat: Briten, die weniger als acht Jahre in Deutschland sind, dürfen die deutsche Staatsbürgerschaft noch nicht beantragen.</p>
<p>Der heute 75-Jährige wird während des Zweiten Weltkriegs geboren und studiert Germanistik und Französisch in Leeds. Seine Arbeit nach dem Studium bringt ihn wieder in Kontakt mit dem Ausland: John ist für eine Firma, die Sandstrahlkabinen herstellt, erst als Auslandskorrespondent, dann als Exportleiter zuständig. Im Zuge dessen vertritt er seinen Arbeitgeber auf Industriemessen – vor allem in Deutschland und Österreich.</p>
<h4>Immer noch von der europäischen Idee überzeugt</h4>
<div id="attachment_10639" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-5_Foto_Chantal-Stauder..jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-10639" class="wp-image-10639 size-medium" src="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-5_Foto_Chantal-Stauder.-300x200.jpg" alt="Auf dem Kopf: John zeigt den Mechanismus seiner Kameras" width="300" height="200" srcset="https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-5_Foto_Chantal-Stauder.-300x200.jpg 300w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-5_Foto_Chantal-Stauder.-768x512.jpg 768w, https://ibb-d.de/wp/wp-content/uploads/2017/09/Bild-5_Foto_Chantal-Stauder..jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-10639" class="wp-caption-text">Auf dem Kopf: John zeigt den Mechanismus seiner Kameras. Foto: Chantal Stauder</p></div>
<p>Während des Studiums geht er für ein Auslandssemester nach Göttingen, wo er seine erste Frau kennenlernt. Nachdem die beiden neun Jahre in Leeds verbringen, siedeln sie 1973 nach Deutschland über. Johns Zeit als Europäer beginnt. Er ist begeistert: Regierungen kooperieren, damit Menschen ohne Grenzkontrolle verreisen können. Wer verschiedene europäische Länder durchqueren will, muss sich nicht mehr in jedem neuen Staat die örtliche Währung beschaffen. Nationale Grenzen treten in den Hintergrund. Teure Zölle auf eingeführte Waren aus anderen Ländern entfallen. Händler können Produkte günstiger anbieten.</p>
<p>Der Deutsch-Brite ist auch nach 43 Jahren immer noch von der europäischen Idee überzeugt: „Ich halte Brexit für einen politischen, sozialen und kulturellen Selbstmord.“ Er kann aber auch jene verstehen, die wütend sind, wenn sie sehen, dass ihr Arbeitgeber ihnen kündigt, um Arbeit in Länder auszulagern, in denen sie Mitarbeitern weniger Gehalt zahlen können.</p>
<h4>Europa kann vom Ruhrgebiet lernen</h4>
<p>John denkt auch an einige Verwandte, von denen er vermutet, dass sie für den Brexit gestimmt haben. Ihnen wird nur langsam bewusst, welche Folgen der Austritt für sie haben wird. Der Dortmunder sagt: „Die Briten erfahren zu wenig von den Vorteilen, die ihnen die EU gebracht hat. Die EU bräuchte eine Art Werbeagentur, die Werbung für sie macht.“ Der 75-Jährige glaubt auch, dass britische Politiker Europa nicht verstanden haben: „Sie sprechen nicht von Kooperation, sondern immer von der führenden Rolle, die Großbritannien in Europa übernehmen soll.“ Durch den Austritt aus der EU werden viele Produkte in Großbritannien teurer werden, weil sie nicht im eigenen Land hergestellt, sondern aus anderen importiert werden müssen. Johns Enthusiasmus für Europa ist ähnlich groß wie seine Begeisterung für das Ruhrgebiet. Er findet: „Dem Ruhrgebiet gelingt etwas, das Europa noch lernen muss: Erfolgreiche Integration.“</p>
<p><em>Chantal Stauder</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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