Gedenkstätte Trostenez

Der letzte große Vernichtungsort in Europa, an dem es bisher keine würdige Gedenkstätte gibt

Ausstellung erinnert an Malyj Trostenez

Die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist das Ergebnis einer deutsch-belarussischen Zusammenarbeit und eines internationalen Dialogs, an dem seit August 2014 Historiker aus Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien teilnahmen. Zum internationalen Beirat gehören: das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst, die Topographie des Terrors, das Jüdische Museum in Prag, die Gedenkstätte Theresienstadt, das Belarussische Museum für die Geschichte des Großen Vaterländischen Kriegs und der Verband der jüdischen Organisationen und Gemeinden in Belarus.

Die Ausstellung würdigt die Opfer und zeigt zugleich, auf welche Weise und an welchen Orten in Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien der Ermordeten gedacht wird.  Sie hat zum Ziel, Malyj Trostenez als europäischen Tat- und Erinnerungsort in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Träger der Ausstellung sind das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund), die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk) und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Wanderausstellung wurde am 8. November 2016 in Hamburg, am 9. März 2017 in Berlin und am 13. März 2017 in Minsk eröffnet. Weitere Orte sind (Stand Mai 2017) Bremen, Köln, Basel und Frankfurt.

Der letzte große Vernichtungsort in Europa ohne würdige Gedenkstätte

Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50 000 und 206 500 Menschen wurden getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt.

1941 und 1942 wurden mehr als 22 000 deutsche Bürger mit jüdischen Wurzeln nach Minsk und Trostenez deportiert. Sie hatten die Illusion, dass die nationalsozialistische Führung ihnen dort die Möglichkeit geben würde, eine neue Existenz aufzubauen. In Minsk angekommen wurde die Mehrzahl der Deportierten jedoch sofort getötet und in Gruben verscharrt.

1941-42 gingen die Deportationszüge von Berlin, Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Wien und Theresienstadt ab. Mehr zum Stand der historischen Forschung finden Sie hier.

Gedenken für eine gemeinsame Zukunft

Welche Bedeutung hat eine Gedenkreise für die Bewältigung der schwierigen Vergangenheit zwischen Deutschland und Belarus? Und warum ist die Bearbeitung der Vergangenheit so ungemein wichtig für eine gemeinsame Zukunft in Europa? Es sind Fragen wie diese, die der Filmbeitrag über die Gedenkreise nach Trostenez 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 2015 in bewegenden Bildern und Interviews beantwortet. Das 15 Minuten lange Video – produziert von der Medienakademie der IBB „Johannes Rau“ in Minsk – ist der erste Teil einer Dokumentation über die Gedenkreise.

Absichtserklärung zum Bau der Gedenkstätte Trostenez unterzeichnet

In Belarus entsteht eine neue große Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs soll in Maly Trostenez nahe der Hauptstadt Minsk an die massenhafte Ermordung europäischer Juden und Zwangsarbeiter erinnert werden.

Vertreter aus acht deutschen Städten sowie Wien und Theresienstadt übergaben Listen mit tausenden von Opfernamen an die Stadt Minsk. Rund 22 000 Männer, Frauen und Kinder, die aus Köln, Düsseldorf, Berlin, Bremen, Hamburg, Frankfurt, Wien und Theresienstadt nach Trostenez deportiert wurden, sollen auf diese Weise ihren Namen zurückerhalten. Eine entsprechende Absichtserklärung zwischen der Stadt Minsk und dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund (IBB Dortmund) wurde am Pfingstsonntag, 8. Juni 2014,  feierlich unterzeichnet.

Trostenez in den Medien

Der Vernichtungsort Trostenez ist in Westeuropa bisher wenig bekannt. Die Initiative für eine Gedenkstätte in Trostenez hat das Interesse der Medien geweckt. Das Osteuropa-Magazin des WDR berichtete am 14. April 2013. Am 13. August 2013 wurde der Beitrag im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Für die Deutsche Welle hatte Olga Kapustina am 24. Juni 2013 berichtet: „Spätes Gedenken an Trostenez“.

Die Deutsche Welle hatte bereits im Januar 2013 über den Vernichtungsort Trostenez berichtet. Autorin Olga Kapustina hatte dabei auch die Zeitzeuginnen Aleksandra Borisowa und Maja Krapina interviewt, die im Januar 2014 in Berlin und Bremen zu Gast waren.

Die ZEIT berichtete am 21. August 2014 unter dem Titel: „Die Stille nach den Schüssen“. Unter dem Titel „Eine Gedenkstätte für das Vernichtungslager Trostenez“ strahlte der WDR am 24. Juli 2016 einen längeren Beitrag aus.

Holocaust-Zeitzeuge Michail Trejster erzählt

Michail Trejster, im Mai 2017 verstorbener Zeitzeuge des Holocaust, berichtete auf Einladung des IBB Dortmund im Januar 2014 in der Realschule Kerpen über seine Erinnerungen an die Zeit der deutschen Besetzung und die Judenverfolgung in Belarus. Die Journalistin Olga Kapustina hat den Mitschnitt des Interviews dankenswerterweise in der Soundcloud online gestellt (in belarussischer Sprache mit Übersetzungen).

Holocaust-Zeitzeuge Kurt Marx erzählt

Kurt Marx, 1925 geborener Holocaust-Zeitzeuge aus Köln, war am 7. März 2017 persönlich nach Minsk gereist zur Eröffnung der Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“. Seine Eltern waren 1942 in Trostenez ermordet worden. Kurt Marx war damals Schüler der Jawne -Schule in Köln und durch die Weitsicht seines Schulleiters Erich Klibansky vor dem sicheren Tod bewahrt worden. Erich Klibansky hatte 130 Kinder nach London bringen lassen. Das Interview hat der Journalist Dirk Planert  im März 2017 in Minsk geführt. Es steht in der Soundcloud zur Verfügung.

Europäische Perspektiven vermitteln Hintergrund

Die Zeitschrift „Europäische Perspektiven“, herausgegeben vom IBB Dortmund zu besonderen Anlässen, fasst in ihrer Ausgabe 1 alle Redebeiträge und aktuelle Hintergrund-Informationen zur Gedenkreise nach Minsk vom 1. bis 5. Mai 2015 zusammen. Anlass der Reise war der 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Belarus.

Gedenkstätte Trostenez

Trostenez

Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944. Zwischen 50 000 und 206 500 Menschen wurden getötet, verscharrt, später exhumiert und verbrannt.

Bau der Gedenkstätte

In Weißrussland entsteht eine neue große Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs soll in Maly Trostenez nahe der Hauptstadt Minsk an die massenhafte Ermordung europäischer Juden und Zwangsarbeiter erinnert werden.

Kooperation

Hochrangige Historiker und Experten der historisch-pädagogischen Arbeit trafen sich am 22. und 23. September 2014 in Minsk, um gemeinsam ein ambitioniertes Projekt anzugehen. Die rund zehn Fachleute werden sich künftig mit der Erarbeitung der Konzeption für eine Wanderausstellung zum Thema Trostenez beschäftigen und die Ausstellungmacher beraten. Die Ausstellung soll in Belarus und Deutschland gezeigt werden.