Digitale Materialsammlung der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk

In Erinnerung an die Opfer

Auf dieser Seite finden Sie unsere Sammlung virtuell nutzbarer Materialien zur Geschichte des Minsker Ghettos und des Vernichtungsortes Malyj Trostenez. Diese Materialien wurden unter Beteiligung vieler Zeitzeug:innen und Historiker:innen sowie von Geschichtsinteressierten erstellt. Sie wurden von der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk und von der Universität Osnabrück begleitet und angeleitet.

Anlässlich der Wiedereröffnung der rekonstruierten Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ veröffentlichen wir diese Materialsammlung.

AudioWalks beschreiben historische Orte in MinskVirtuelle Stadtführung mit biografischen Erinnerungen

Der Holocaust veränderte unwiderruflich das Schicksal der jüdischen Gemeinde von Minsk, die damals ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Stadt ausmachte.

Angesichts der drohenden deutschen Besatzung flohen 98.000 Menschen aus der Hauptstadt, darunter 45.000 Jüdinnen und Juden. Einigen von ihnen gelang die Evakuierung in die östlichen Regionen der UdSSR. Etwa 80.000 Jüdinnen und Juden saßen jedoch in Minsk fest.

Mit Beginn der Operation Barbarossa, dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, kam es in den besetzten Gebieten zu Pogromen und Hinrichtungen, die sich gegen die jüdische Bevölkerung richteten. Die jüdische Bevölkerung begann stetig zu schrumpfen.

Dieser Link führt zu einer Einführung in die Geschichte des Minsker Ghettos. Weiter unten finden Sie Informationen und Zeitzeugenberichte zu insgesamt neun Stationen. Die AudioWalks können vor Ort oder virtuell genutzt werden.

Ein Besuch an neun StationenErarbeitet vom jüdischen Geschichtsinstitut Centropa und der Geschichtswerkstatt ``Leonid Lewin`` Minsk

Im Juni 1941 wurde innerhalb kürzester Zeit im armen Vorort Rakauskaye das Ghetto errichtet. Ab November war das Gebiet mit Stacheldraht umgehen und die Menschen durfen es nur in Arbeitskommandos verlassen.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 1: Eingang zum Ghetto.

In der Karol-Straße befindet sich eines der wenigen ursprünglichen Gebäude des ehemaligen Minsker Ghettos: Heute ist es eine Musikschule für Kinder.  In der Zeit des Minsker Ghettos diente dieses Gebäude auch als Stützpunkt der Untergrundbewegung gegen die deutsche Besatzung. Eine Gedenktafel weist auf die Bedeutung des Ortes hin.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 4: Krankenhaus für Infektionskrankheiten/Musikschule.

Das im Herzen von Minsk gelegene Gruben-Denkmal „Yama“ dient als Hauptgedenkstätte für die belarussischen Opfer des Holocaust. Die Gedenkstätte befindet sich an genau dem Ort, an dem am 2. und 3. März 1942 mehrere tausend jüdische Bewohner des Minsker Ghettos erschossen wurden. Bereits 1946 wurde ein Obelisk aufgestellt. Im Jahr 2000 wurde die Bronzefigur „Der letzte Weg“ ergänzt.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 7: Das Gruben-Denkmal/“Yama“.

Diese virtuelle Führung stellt das ehemalige jüdische Ghetto und ehemals bedeutsame Orte der jüdischen Gemeinde von Minsk vor.  Die Texte basieren auf Centropa-Interviews mit Minsker Holocaustüberlebenden und auf Archivmaterial der Geschichtswerkstatt Minsk.

Heute ist der Jubiläumsplatz ein Ort der Unterhaltung, an dem sich z. B. ein Kino befindet. Während der deutschen Besatzung war er der zentrale Ort des Minsker Ghettos und damit Ort zahlreicher Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 2: Jubiläumsplatz.

Der jüdische Friedhof von Minsk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet, als Minsk größer wurde, und 1950 offiziell geschlossen. Im Jahr 2008, 65 Jahre nach der Auflösung des Minsker Ghettos, wurde auf dem  ehemaligen jüdischen Friedhof an der Suchaya-Straße das Denkmal „Stuhl und Tisch“ errichtet. Geschaffen wurde es vom Architekten Leonid Lewin und dem Bildhauer Maxim Petrul.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 5: Jüdischer Friedhof/Gedenkplatz.

Tuchynka war ein Dorf in der Nähe von Minsk, in dem Jüdinnen und Juden während der deutschen Besatzung von den Einsatzgruppen der deutschen Wehrmacht und durch lokale Kollaborateure ermordet wurden. Die Massenerschießungen fanden auf dem Kalvaryyskiya-Friedhof und in Steinbrüchen statt. Dieser Ort liegt heute im Bereich der Alsheuski-Straße und der Puschkin-Allee.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 8: Tuchynka.

Zwischen 2005 und 2006 hat Centropa in Minsk, St. Petersburg, Kiew und Moskau die Lebensgeschichten von 20 der ältesten noch lebenden Jüdinnen und Juden aufgezeichnet, die in Belarus aufgewachsen sind oder dort einen Teil ihres Lebens verbracht haben, und sie gebeten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

In der Ramanauskaya-Slabada-Straße erinnert eine Gedenktafel an die aus Bremen deportierten Jüdinnen und Juden. Hier wurden zwei sogenannte Sonderghettos eingerichtet: das erste im Bereich der Respublikanskaya-, Sukhaya- und Abutkovaya-Straßen, das zweite im Bereich der Zamkavaya- und Dzimitrau-Straßen.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 3: Sonderghetto.

Das Gebäude in der Suchaya-Straße 25 beherbergt heute die im März 2003 eröffnete Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ – in einem der letzten erhaltenen Gebäude des Minsker Ghettos. Erbaut wurde das Haus am Rande des jüdischen Friedhof in den frühen 1900er Jahren. In der Nachkriegszeit befanden sich hier ein Standesamt, eine Näherei und ein Baulager.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 6: Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk.

Maly Trastianets gehört zu den im Westen weniger bekannten Tötungsstätten, die während des Zweiten Weltkriegs genutzt wurden. Es gab nur wenige Überlebende. Malyj Trostenez bestand aus drei Teilen: Dem  Zwangsarbeitslager auf dem Gelände einer ehemaligen Kolchose, der Mordstätte in Blahauschyna und die Verbrennungsstätten im Wald von Shashkouka.

Lesen und hören Sie hier die Beschreibung zum historischen Ort 9: Gedenkstätte am ehemaligen Vernichtungslager Maly Trastianets.

Dieser AudioWalk in zehn Teilen wurde vom jüdischen Geschichtsinstitut Centropa und der Geschichtswerkstatt Leonid Levin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund (IBB) produziert. Er ist entstanden mit  Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des Visegrad Funds.

Zu Besuch an einem Ort, der in Westeuropa kaum bekannt war

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2021 hat das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH in Dortmund erstmals eine virtuelle Exkursion zum Vernichtungsort Malyj Trostenez in Belarus veröffentlicht. Dr. Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk, erläutert in dem Video die weitläufige Erinnerungslandschaft am Rande von Minsk. Dort wurden vom Frühjahr 1942 bis Oktober 1943 mindestens 60.000 Menschen aus dem damals von Deutschen besetzten Teil der Sowjetunion und Westeuropa ermordet. Das 22 Minuten lange Video gibt einen Überblick über die geschichtlichen Ereignisse an diesem Ort und die Entwicklung der Erinnerungskultur nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute.

Der Podcast ``Malyj Trostenez: Gemeinsam erinnern``Erarbeitet von jungen Erwachsenen aus Deutschland, Belarus und Österreich

Trailer zu unserer Reihe von Podcasts über das Vernichtungslager Malyj Trostenez in der Nähe von Minsk in Belarus.

Hören Sie hier den Trailer zum Podcast „Malyj Trostenez: Gemeinsam erinnern“.

Dieser Podcast wurde von Studierenden aus Belarus, Österreich und Deutschland produziert, die von Dezember 2020 bis März 2022 an unserem transnationalen historischen Lernprojekt zum Vernichtungsort Malyj Trostenez teilgenommen haben.

Episode 7: Emil Deutsch, Wilhelm Meurin, Viktor Borschewski

Hören Sie hier Episode 7 des Podcasts „Malyj Trostenez: Gemeinsam erinnern“.

Projektpartner waren das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, das Jüdische Museum Prag, die Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn und der Lern- und Gedenkort Jawne in Köln.

 

Episode 8: Gibt es eine europäische Erinnerungskultur?

Hören Sie hier Episode 8 des Podcasts „Malyj Trostenez: Gemeinsam erinnern“.

Das Geschichtsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“ wurde von der IBB gGmbH und der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk koordiniert und von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft aus Mitteln des Auswärtigen Amts gefördert.

Holocaust-Zeitzeuge Michail Trejster erzählt

Michail Trejster, im Mai 2017 verstorbener Zeitzeuge des Holocaust, berichtete auf Einladung des IBB Dortmund im Januar 2014 in der Realschule Kerpen über seine Erinnerungen an die Zeit der deutschen Besetzung und die Judenverfolgung in Belarus. Die Journalistin Olga Kapustina hat den Mitschnitt des Interviews dankenswerterweise in der Soundcloud online gestellt (in belarussischer Sprache mit Übersetzungen).

Holocaust-Zeitzeuge Kurt Marx erzählt

Kurt Marx, 1925 geborener Holocaust-Zeitzeuge aus Köln, war am 7. März 2017 persönlich nach Minsk gereist zur Eröffnung der Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“. Seine Eltern waren 1942 in Trostenez ermordet worden. Kurt Marx war damals Schüler der Jawne -Schule in Köln und durch die Weitsicht seines Schulleiters Erich Klibansky vor dem sicheren Tod bewahrt worden. Erich Klibansky hatte 130 Kinder nach London bringen lassen. Das Interview hat der Journalist Dirk Planert  im März 2017 in Minsk geführt. Es steht in der Soundcloud zur Verfügung.

Das Zeitzeugenarchiv

Die Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ hat seit ihrer Gründung Erinnerungen von Zeitzeug:innen des Holocaust und ihren Angehörigen sowie Kriegsgefangenen aufgezeichnet. Das virtuelle Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt enthält zudem Erinnerungen von Retterinnen und Rettern,  die als „Gerechte unter den Völkern“ verehrt werden. Das Archiv enthält auch Namenslisten zu den Deportationen aus Berlin, Bremen, Düsseldorf, Essen, Wuppertal, Frankfurt und Theresienstadt.

Die virtuelle Ausstellung

Die Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ wurde erstmals am 8. November 2016 in Deutschland gezeigt und später auch in Belarus, Österreich, Tschechien und in der Schweiz. Sie dokumentiert die Geschichte der größten Vernichtungsstätte, die von 1942 bis 1944 auf dem Gebiet der besetzten Sowjetunion bestand. Sie steht online in vier Sprachen zur Verfügung.

Fördernde und Partner

Unsere internationalen historischen Projekte werden von unterschiedlichen Förderern unterstützt.

Kontakt

Ansprechpartnerin für internationale historische Projekte:

Constanze Stoll
Erinnern, Bildungsarbeit IBB „Johannes Rau“ Minsk
stoll@ibb-do.de