Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund

Fortbildung für Lehrkräfte und Mitarbeitende der Jugendarbeit: Studienfahrt zum Vernichtungslager Majdanek

Fortbildung für Lehrkräfte und Mitarbeitende der Jugendarbeit: Studienfahrt zum Vernichtungslager Majdanek
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Datum/Zeit
Date(s) - 13/10/2019 - 19/10/2019
Ganztägig

Veranstaltungsort
Staatliches Museum in Majdanek
Veranstaltungsnummer

Veranstalter
IBB gGmbH und Partner

Bereich Erinnern
Kategorien


Orte und Zeugnisse nationalsozialistischer Verbrechen im Raum Lublin – ein Fortbildungsseminar im Staatlichen Museum Majdanek

Dieses Seminar im Staatlichen Museum bzw. der Gedenkstätte Majdanek (und mit Zwischenaufenthalt in Warschau) dient der Orientierung und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern und anderen pädagogischen Mitarbeitern, die sich auf geplante Seminare mit Schüler- bzw. Jugendgruppen vorbereiten wollen. Lehrende können dabei einen ähnlichen Lern- und Erfahrungsprozess durchlaufen wie später ihre Schülerinnen und Schüler durchlaufen.

Zielgruppen: Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen der Sekundarstufe I und II, insbesondere mit einem der folgenden Fächer: Geschichte, Politik, Gesellschaftslehre, Religion, Philosophie, Ethik, zum Beispiel auch in Verbindung mit dem Fach Deutsch und dem Fach Kunst , sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gedenkstätten und Einrichtungen der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, sonstige Interessierte

Leitung: Dr. Paul Ciupke, Wieslaw Wysok, N:N:

Für die Veranstaltung kann auch Bildungsurlaub gewährt werden.

Kosten: 

Vorbehaltlich der Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung: 200 Euro

Inbegriffen sind:
Transfers in Polen
Unterkunft und Verpflegung
Eintritte in Museen

Nicht eingeschlossen:
Flüge bzw. Anreise nach Warschau und Rückreise von Warschau

Warum historisch-politisches Lernen im Staatlichen Museum Majdanek?

Lublin und Majdanek bilden einen Kreuzungspunkt verschiedenster Aktionen und Verbrechen der national-sozialistischen Politik in Polen. In Lublin saß die organisatorische Zentrale für die Aktion Reinhard, im Rahmen der die jüdische Bevölkerung Polens, aber auch die anderer europäischer Länder ermordet wurde.  Das Konzentrationslager Majdanek war ein multifunktionales Großlager, es diente im Laufe seiner Geschichte mannigfachen Zwecken für unterschiedliche Gruppen von Gefangenen aus ganz Europa.

Mit Bełżec und Sobibór, früheren Orten der systematischen Tötung,  hat Majdanek zwei inzwischen z.T. neu museal gestaltete Außenstellen, in denen viele hunderttausende von Menschen umgebracht wurden und die der besonderen Erinnerung an die Aktion Reinhard dienen.

Die in Polen von den Nationalsozialisten errichteten Konzentrations- und Vernichtungslager zeugen in besonderer Weise von der rassistischen Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. An erster Stelle steht die Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Es dürfen aber andere Opfergruppen nicht vergessen werden, zu denen nicht zuletzt die damalige polnische Mehrheitsbevölkerung auch zählt. Angesichts des wachsenden Anteils von Schülerinnen und Schülern mit Einwanderungsgeschichte bieten sich durch die unterschiedlichen, familiär tradierten Gewalterfahrungen auch Anknüpfungspunkte für die Geschichtsbilder der jeweiligen Herkunftsländer; so kann die Geschichte des 20. Jahrhunderts multiperspektivisch und gesamteuropäisch erzählt werden.

Die Gedenkstätte bietet sich auch als ein Lernort dar, an dem sich die Möglichkeit gegeben ist, am Ort von nationalsozialistischen Verbrechen mit originalen Dokumenten pädagogisch und forschend zu arbeiten. Archiv und Bibliothek sowie das ehemalige, jederzeit zugängliche Lagergelände und die ständige Ausstellung ermöglichen eine individuelle Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der pädagogischen Abteilung, die auch deutsch sprechen, helfen bei der Vorbereitung und Auswahl der Lerninhalte, sie begleiten die Lernenden während der Arbeit in der Gedenkstätte und stehen jederzeit für Fragen oder bei der Suche nach weiteren Materialien zur Verfügung. Im neuen Besucherzentrum kann in zwei Gruppenräumen, die während der gesamten Aufenthaltsdauer nur für die Gruppe zugänglich sind, intensiv und ungestört gearbeitet werden.

Das ehemalige Konzentrationslager Majdanek im heutigen Ostpolen ist die älteste NS-Gedenkstätte dieser Art, die bereits 1944 direkt nach der Befreiung durch die Rote Armee gegründet wurde. Die Geschichte der Gedenkstätte selbst ist ein Spiegel der Nachkriegsgeschichte und der unterschiedlichen Bewertungen der NS-Zeit. Im Gegensatz zur Gedenkstätte in Auschwitz, die hohem Besucherandrang ausgesetzt ist, bietet die Gedenkstätte in Majdanek Gelegenheit für eine ruhige und umfassende Beschäftigung mit historischen Quellen und Orten.

 

Geplantes Programm:

Sonntag, 13.10.2019:

bis mittags individuelle Anreise nach Warschau,
14.00 – 15.30 Uhr: Eröffnung: Vorstellung Programm, Teilnehmer, Organisatorisches
16.00 – 18.30 Uhr: Besuch des Museums des Warschauer Aufstandes (mit Aussprache)
20.00 Uhr : Abendessen

Montag, 14.10.2019:

9.00 Uhr – 10.30 Uhr: Rundgang durch das Viertel Muranow, in dem sich das ehemalige Ghetto befunden hat
10.45 – 14.30 Uhr: Besuch des Museums der Geschichte der polnischen Juden, Mittagspause im Museum
15.50 Uhr : Transfer (Zug) nach Lublin
Ca. 19.45 Uhr: Bezug des Hotels, Abendessen im Hotel

Dienstag, 15.10.2019:

9.30 – 10.30 Uhr: Einführung in die Geschichte und Bedeutung des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek
10.45 – 13.00 Uhr: geführter Rundgang durch die Gedenkstätte Majdanek: das Gelände mit den „Relikten“, die Ausstellungen und Monumente
14.00 – 16.30 Uhr: Einführung in die pädagogische Arbeit des Museums und Vorstellung der Quellen- und Arbeitsmaterialien für mögliche Themenschwerpunkte, Gespräch mit Wieslaw Wysok
19.00 Uhr: Abendessen

Mittwoch, 16.10.2019:

9.00 – 12.15 Uhr: Führung durch Lublin, Themen: Lublin als Planungszentrum der NS-Verbrechen (Aktion Reichhard) im Generalgouvernement, das ehemalige jüdische Lublin, ehem. Ghettogelände,
14.00 – 16.30 Uhr: Besuch des Theatr N.N.: Museum zur Erinnerung an das jüdische Leben vor 1939, mit Auswertungsgespräch
19.00 Uhr: Abendessen

Donnerstag, 17.10.2019:

8.30 Uhr: Exkursion nach Bełżec
9.30 – 11.00 Uhr: Zwischenaufenthalt im ehemaligen Durchgangsghetto Izbica
12.00 – 14.00 Uhr: Die Gedenkstätte in Bełżec: Informationen, Führung, Besuch der Ausstellung  und Diskussionen
15.00 – 17.00 Uhr: Zamość: Rundgang Rotunde und Synagoge, Auseinandersetzung mit dem Generalplan Ost und den Kindesentführungen
20.00 Uhr: Abendessen

Freitag, 18.10.2019:

9.00 Uhr: Exkursion nach Sobibór
10.30 – 12.30 Uhr: Wlodawa: Führung zur Geschichte der jüd. Gemeinde (70% der früheren Bewohnerschaft) und Besuch des ehem. Synagogenkomplexes
13.00 – 16.15 Uhr: Führung über das Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibór, Erläuterung der neuen Gestaltung
20.00 Uhr: Abendessen

Samstag, 19.10.2019:

7.28 – 10.45 Uhr: Transfer (Zug) nach Warschau, individuelle Rückreise

Allgemeine Ziele der Veranstaltung: 

  • Auseinandersetzung mit der Aktion Reinhard, dem Genozid an der jüdischen Bevölkerung in Polen, sowie mit der Unterdrückung und Vertreibung der polnischen Bevölkerung durch die nationalsozialistischen Akteure im Raum Lublin
  • ein besonderes Verständnis entwickeln für die polnische Geschichte unter dem NS-Regime
  • Kennenlernen der jüdischen Geschichte in Polen, vor 1939 die größte jüdische Gemeinde auf europäischem Boden
  • Zusammenhänge von Erinnerungskultur, Menschenrechtserziehung und Friedensarbeit als wesentliche Grundlage des Lernens in einem gemeinsamen und für ein gemeinsames Europa ergründen
  • Methodischer Anspruch: die Teilnehmenden zu einer aktiven und kreativen Auseinandersetzung mit den Themen und den Orten des Seminars führen, die sie für den eigenen Unterricht und für Gedenkstättenseminare mit Gruppen nutzen können.

Veranstalter:
Bildungswerk der Humanistischen Union NRW, Essen
Staatliches Museum Majdanek

Anmeldung und Informationen unter:

Bildungswerk der Humanistischen Union NRW

Kronprinzenstr. 15, 45128 Essen
Tel.: 0201/227982
E-Mail: buero@hu-bildungswerk.de

Das Anmeldungformular finden Sie hier.

Diese Fortbildung ist eine von fünf Fortbildungen für Lehrkräfte und Teamer in diesem Jahr: Vor dem Hintergrund der vielen Anfragen möchten wir Sie bitten, sich möglichst zeitnah für eine Fortbildung anzumelden (pro Person ist nur die Teilnahme an einer Fortbildung möglich). Die verbindliche Bestätigung mit der Bitte, die Teilnahmegebühr zu überweisen, kann erst erfolgen, wenn der Zuschussvertrag mit der Bundeszentrale abgeschlossen ist.

Diese Links führen zu den anderen vier Fortbildungen, die die IBB gGmbH in diesem Jahr mit weiteren Partnern anbietet:

  • 13. bis 19. Oktober 2019 – Lernort Westerbork – „Auf den Spuren jüdischen Lebens in den Niederlanden“, Exkursionsleitung Stefan Gerber und Andreas Determann (NL)
  • 20. bis 27. Oktober 2019 – Lernort Bikernieki  – „Riga – Tatort und Gedenkort der Shoah; Deutsche, lettische und europäische Dimensionen des Vernichtungsgeschehens und der Erinnerungskultur“, Exkursionsleitung Matthias Ester, Geschichtskontor Münster, und Olga Rensch-Wetzel, IBB gGmbH Dortmund
  • 2. bis 9. November 2019 – Lernort Auschwitz/Birkenau – „Studienfahrt zu Gedenkstättenfahrten mit Jugendlichen in Auschwitz für Historiker*innen, Lehrer*innen und Jugendreferent*innen der Jugendarbeit“, Exkursionsleitung Emilia Simon, IBB gGmbH Dortmund, und Bartholomäus Fujak, IBB e.V. Dortmund
  • 17. bis 23. November 2019 – Lernort Theresienstadt – „Verfolgung – Täuschung – Vernichtung. Das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt und die NS-Verbrechen im Protektorat Böhmen und Mähren“, Exkursionsleitung Dr. Anke Hoffstadt, Bildungswerk der Humanistischen Union Essen, und Dr. Joachim Schröder, Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf.