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Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund

Netzwerk-Fachtag Inklud:Mi zum Thema Autismus und Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern Geflüchteter: Oft unerkannt und nicht behandelt?

Netzwerk-Fachtag Inklud:Mi zum Thema Autismus und Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern Geflüchteter: Oft unerkannt und nicht behandelt?

Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung oder Zugewanderungsgeschichte unterliegen einem höheren Risiko, dass Autismus oder Sprachentwicklungsverzögerungen bei ihnen nicht oder nicht frühzeitig erkannt werden. Darauf machte der diesjährige Netzwerk-Fachtag Inklud:Mi, organisiert vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. in Dortmund (IBBe.V.),  am Freitag, 6. Dezember 2019, in Dortmund aufmerksam. Haupt- und Ehrenamtliche verschiedener Arbeitsfelder, alle in Kontakt mit Zugewanderten, diskutierten mit Expertinnen und Experten aus Deutschland, Syrien und Saudi-Arabien über die Ursachen und wie bestehende Barrieren überwunden werden können.

„Wir gehen davon aus, dass Geflüchtete und Zugewanderte zwar in ähnlicher Zahl von Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind wie die einheimische Bevölkerung auch. Wir wissen aber auch, dass Zugewanderte im Hilfesystem  hingegen deutlich unterrepräsentiert sind“, sagte Hildegard Azimi-Boedecker, Leiterin des Fachbereichs Beruf international und Migration im IBB e.V. bei der Begrüßung der rund 80 Teilnehmenden im Jugendgästehaus Silberstraße in Dortmund.

Fachkräfte aus Syrien und Saudi-Arabien berichteten, dass betroffene Eltern teilweise Entwicklungsauffälligkeiten ihres Kindes aus unterschiedlichen Gründen nicht wahrnehmen. Bei der Suche nach einer geeigneten Therapie fehle es oft an Hintergrundwissen über die Hilfestrukturen in Deutschland und mögliche Therapieerfolge. „Manchmal erwarten Eltern, dass ihre Kinder in ein bis zwei Sitzungen quasi „repariert“ werden können“, schilderte Mahsum Yousif. Der Sonderpädagoge aus Syrien, heute Mitarbeiter im Autismus-Zentrum Dortmund, referierte zusammen mit Yve Cordes über den aktuellen Forschungsstand zu Autismus und Therapiemethoden in Syrien. Eine kindgerecht gestaltete Therapie werde von Eltern teilweise als nicht zielführendes Spielen missverstanden und in kürzester Zeit werde Heilung erwartet. Der Zugang zu Therapien sei zudem durch unbekannte Fachbegriffe und Formulare erschwert. Dies bestätigten auch Sulaf Idris und Khairia EL Saka, die Diagnoseansätze und Frühfördermodelle aus Syrien und Saudi- Arabien vorstellten, unterstützt in den Workshops durch betroffene Eltern. Logopädische Herausforderungen beim bilingualen Spracherwerb stellte Verena Graf- Borttscheller vor. „Eine Sprache, ein Elternteil“ war die Empfehlung, um positive Sprachentwicklung zu fördern. Zudem seien besonders für neu Zugewanderte kultursensible und muttersprachliche Informationen über Therapieansätze und Selbsthilfeeinrichtungen oft unerlässlich. Dies gelte auch, wenn die eigentliche Therapie in der deutschen Sprache stattfinde, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestätigten.

„Mit unseren jährlichen Netzwerk-Fachtagen regen wir Haupt- und Ehrenamtliche aus der sozialen Arbeit und Selbsthilfe zur Vernetzung und zum Austausch an“, sagte Hildegard Azimi-Boedecker vom IBB e.V. „Wir freuen uns besonders, dass wir erneut zeigen konnten, dass unter den Zugewanderten auch spezialisierte Fachkräfte sind, die sich engagiert in unsere Vernetzungsarbeit einbringen.“

Unsere ausführliche Dokumentation finden Sie (in Kürze) hier.

Weitere Informationen über unsere Arbeit im Themenfeld Inklud:Mi und bald die ausführliche Dokumentation der Tagung finden Sie hier.