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Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund

Letzter Workshop im Podcast-Projekt Erinnerungs-D.i.N.G. führt nach Köln: Unser Team besucht die Abtei Brauweiler

Letzter Workshop im Podcast-Projekt Erinnerungs-D.i.N.G. führt nach Köln: Unser Team besucht die Abtei Brauweiler

Nachbericht in einfacher Sprache

Vom 15. bis 18. Oktober 2025 war unser Team vom Podcast-Projekt Erinnerungs-D.i.N.G. in Köln.

Wir haben die Gedenkstätte Brauweiler besucht.

Und wir haben im LVR-Digitallabor in Köln an unserem Podcast gearbeitet.

Aber der Reihe nach!

Die Abkürzung LVR steht für: Landschaftsverband Rheinland. Der LVR hatte uns eingeladen.

Ein Landschaftsverband ist ein Zusammenschluss von Städten. Er übernimmt besondere Aufgaben für die Städte in einer Region. Zu diesen Aufgaben gehören auch Museen und Gedenkorte.

Am Mittwoch, 15. Oktober 2025, sind wir alle mit der Bahn nach Köln gereist. Die Anreise hat länger gedauert als geplant. Es gab Verspätungen. Abends haben wir uns dann aber alle in Köln getroffen.

Am Donnerstag, 16. Oktober 2025, sind wir gemeinsam in die Abtei Brauweiler gefahren. Nina Greger arbeitet in der Abtei Brauweiler. Sie hat mit uns einen Workshop gemacht. Sie hat uns erzählt, wie sie mit Gruppen arbeitet, die zu Besuch kommen.

Nina hat uns ihren Zeitstrahl gezeigt. Sie hat dafür einen Streifen schwarzen Stoff auf den Boden gelegt. Der schwarze Stoffstreifen stellt die Zeit dar. Es gab außerdem noch einen orangenen, einen blauen und einen grünen Stoffstreifen. Die hat Nina auf den schwarzen Streifen gelegt. Es sah gleich so aus, dass es drei Zeitabschnitte gibt. Dazu gab es dann Karten mit Jahreszahlen in Orange, Blau und Grün und Karten mit Bildern in den drei Farben. Die haben wir auf den orangenen, blauen und grünen Stoffstreifen gelegt.

So haben wir wichtige Ereignisse sichtbar gemacht, die in Brauweiler passiert sind. Das hat ziemlich Spaß gemacht und war sehr einprägsam!

Was wir auf diese Weise gelernt haben:

Das Kloster Brauweiler gab es ab dem Jahr 1024. Über 800 Jahre lang lebten Mönche in dem Kloster. Sie beteten und arbeiteten dort. Um 1800 herrschte Napoleon Bonaparte über große Teile von Europa. Auch über das Rheinland. Napoleon ließ viele Klöster auflösen, weil er sie als zu mächtig ansah. So mussten auch in Brauweiler die Mönche das Kloster verlassen. Im Jahr 1802 wurde das Kloster geschlossen. Die Mönche mussten gehen.

Ab 1815 nutzte die preußische Regierung die Gebäude als Arbeitsanstalt. Dort wurden Menschen eingesperrt, die als „arm“ oder „ungehorsam“ galten. Es gab ein Männerhaus und ein Frauenhaus. Der Name „Frauenhaus“ kommt aus dieser Zeit, weil dort Frauen leben und arbeiten mussten.

Eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte Brauweiler steht für einer Ausstellungstafel mit einem großen Foto und mehreren kleineren und erläutert, was hier zu sehen ist.

Wir durften die Gedenkstätte bei einer Führung kennenlernen.

In der Nazi-Zeit von 1933 bis 1945 war Brauweiler ein Gefängnis der Gestapo, also der geheimen Polizei der Nazis. Auch im „Frauenhaus“ waren nun Frauen und Männer eingesperrt. Viele von ihnen wurden geschlagen oder mussten Zwangsarbeit leisten.

Was uns besonders aufgefallen ist: Die Zeitabschnitte, also die Karten mit den Jahreszahlen und Bildern, sind in drei verschiedenen Farben. Das hat uns gut geholfen zu verstehen, welche Karten zu welchen Jahreszahlen und zu welchem Zeitabschnitt gehören.

Das war interessant, weil wir auch in der Gedenkstätte Buchenwald mit einem Zeitstrahl gearbeitet haben. Der Zeitstrahl dort sah aber ganz anders aus.

Wir haben gelernt: Ein Zeitstrahl ist etwas sehr Wichtiges, wenn man Vergangenheit und Geschichte einfach erklären will. Ein Zeitstrahl kann sehr unterschiedlich aussehen und gut funktionieren.

Mehrere Mitarbeitende vom LVR haben uns gezeigt, wie sie in der Abtei Brauweiler arbeiten. Wir durften die Papierrestaurierung besuchen. Dort werden alte Briefe und Seiten aus Aktenordnern so bearbeitet, dass sie nicht auseinanderfallen. Anna Katharina Fahrenkamp hat uns sogar berichtet, dass es schwieriger ist, neuere Papiere zu bearbeiten. Sie enthalten nämlich mehr Stoff-Fasern als die ganz alten Blätter.

Hans Meyer hat uns seine Drohne gezeigt. Er lässt sie über die Abtei Brauweiler fliegen und Fotos machen. Diese Fotos kann man später mit einem Computer oder mit dem Handy von allen Seiten ansehen und sie sogar drehen oder größer machen. Das war alles sehr interessant.

Zum Schluss haben wir noch die Gedenkstätte besucht. Die Gedenkstätte ist im ehemaligen „Frauenhaus“ untergebracht. Das Haus heißt nicht so, weil dort Frauen Schutz gefunden haben. Nein, im Gegenteil. Das „Frauenhaus“ war das Haus, in dem Frauen eingesperrt, zur Arbeit gezwungen und gefoltert wurden. Männer wurden damals ebenfalls im Frauenhaus eingesperrt.

Die Gebäude der Abteil Brauweiler sind als Miniaturen nachgearbeitet. So können sie von blinden oder sehbehinderten Menschen ertastet werden.

Wir haben auch die Tast-Elemente kennengelernt.

Seit 2024 gibt es in der Gedenkstätte eine barrierearme Ausstellung. Die hat uns besonders interessiert. In der Ausstellung gibt es viele kleine Räume. In den kleinen Räumen hat dieGestapo Menschen eingesperrt. Es waren Menschen, die arm waren und auf der Straße lebten, und Menschen, die sich gegen die Nazis gewehrt haben. Zum Beispiel war auch Konrad Adenauer dort eingesperrt. Er wurde nach dem Krieg 1949 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Man kann sich viele Stunden dort aufhalten. Ein Modell mit roten kleinen Bauteilen zeigt das ganze Gelände. Das ist gut für blinde Menschen, die auf diese Weise nachvollziehen können, wie die Abtei Brauweiler heute aussieht und wie sie damals aussah.

Es gibt Videos in Gebärdensprache und in einfacher Sprache. Das ist bei vielen anderen Gedenkstätten nicht so. Das fanden wir sehr gut.

Auf einer Ausstellungswand wird der barrierearme Media -Guide erklärt. Mit Hilfe eines QR-Codes kann man sich alle Texte aus der Ausstellung in einfacher Sprache vorlesen lassen.

Der Media-Guide wird auf einer Tafel erklärt.

Beim inklusiven Medienguide hat uns sehr gut gefallen, dass die Texte zusammen von Menschen mit und ohne Behinderungen gemacht worden sind. Die Menschen aus dem Team sprechen die Texte im Medienguide selbst.

Was uns allerdings aufgefallen ist: Die Texte werden viel zu schnell vorgelesen. Und es gibt viel zu wenig Pausen. Das ist für Menschen mit und ohne Lernbehinderungen nicht wirklich gut. Denn mit mehr Zeit, kann man viel besser selbst nachdenken. Erinnerung und Gedenken braucht Zeit.

Vier von uns haben sehr intensiv diskutiert über einige Texte im Medienguide. Wir haben festgestellt: Einfache Sprache braucht auch langsameres Sprechen und mehr Pausen. Dann erst wird die Vermittlung von schwerer Geschichte auf einfacher Sprache verständlich!

Der LVR hat sogar einen kurzen Film über unseren Besuch gemacht:

Am Freitag, 17. Oktober 2025, durften wir dann das Digitallabor des LVR in Köln-Deutz benutzen.

Das Digitallabor ist ein Raum, in dem man Filme oder Podcast-Folgen aufnehmen kann. Vorher mussten wir noch an den Drehbüchern für die verschiedenen Folgen arbeiten und einige Texte schreiben. Dabei hat uns Annika Hirsekorn begleitet und geholfen. Mir ihr haben wir schon im ersten und zweiten Workshop zusammengearbeitet.

Das war insgesamt ganz schön anstrengend. Die Hauptaufgabe besteht darin, so von unseren Erlebnissen und Lernerfahrungen im Projekt zu erzählen, dass andere Menschen das auch interessiert. Und natürlich: Alles muss verständlich für andere sein. Wir müssen also die Texte auf einfache Sprache hin prüfen. Wir sind wirklich Experten und Expertinnen geworden!!! Wir sind natürlich gespannt, ob uns das in allen Folgen gut gelingt!

Rolando Gonzales steht neben einer Präsentation, die mit einem Beamer an die Wand geworfen wird und erklärt gerade etwas.

Rolando Gonzales hat uns erklärt, wie man Töne bearbeitet.

Am letzten Tag, dem Samstag, haben wir unsere ersten Tonaufnahmen bearbeitet. Rolando Gonzales hat uns ein Programm gezeigt, mit dem wir selbst den ersten Rohschnitt von unseren Podcast-Folgen erstellen. Später müssen diese Rohschnitte weiter bearbeitet werden. Zum Beispiel werden Pausen eingefügt, oder, wenn sich jemand versprochen hat, werden diese Versprecher rausgeschnitten. Und wir werden Musik einfügen.

Alles hat mit Rolandos Hilfe sehr gut geklappt. Inzwischen liegt bereits ein Rohschnitt einer Folge unseres Podcasts Erinnerungs-D.i.N.G. vor. Vermutlich werden wir vier Folgen machen. Alles in allem sind wir einen Riesen-Schritt vorangekommen!

Der LVR hat unser Projekt gelobt: „Dass eine inklusive Gruppe sich hier mit der Geschichte der Abtei Brauweiler auseinandersetzt, ist ein starkes Zeichen für Teilhabe und demokratische Bildung“, sagt Dr. Mark Steinert. Er ist der Leiter des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums.„Die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen an einem historischen Ort wie diesem braucht unterschiedliche Perspektiven – auch die von Menschen mit Behinderungen. Dass wir das Podcast-Projekt unterstützen und unsere Expertise einbringen, war für uns daher eine Selbstverständlichkeit.“

Der LVR hat sogar Medienleute eingeladen und eine Nachricht veröffentlicht über unseren Besuch.

Die Nachricht vom LVR findet Ihr hier.

Einen Pressebericht findet Ihr hier.

Alle Fotos: IBB gGmbH Dortmund

Das Projekt wird von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen des Programms JUGEND erinnert vor Ort & engagiert gefördert.

Grafik mit den Logos der Fördermittelgeber und Projektpartner.

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