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Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund

Konferenz zur Erinnerungskultur: Konkrete Ideen für den europäischen Lernort Trostenez

Konferenz zur Erinnerungskultur: Konkrete Ideen für den europäischen Lernort Trostenez

Jugendbegegnungen, künstlerische, zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Projekte sowie religiöse und andere Gedenkveranstaltungen sollen den neu eröffneten europäischen Erinnerungsort Trostenez zu einem Ort des Lernens, der Begegnung und Versöhnung machen. Konkrete Ziele steckten sich die mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der internationalen Konferenz „Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft“ in der IBB „Johannes Rau“ in Minsk in ihrem Abschluss-Kommuniqué. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte am Freitag, 29. Juni 2018, an einer Podiumsdiskussion in der IBB teilgenommen.

„Von diesen Tagen ist niemand nicht tief bewegt“, fasste Matthias C. Tümpel, Vorsitzender des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks e.V. die Eindrücke der Gedenkreise zum Schluss der Konferenz am Samstag, 30. Juni 2018, zusammen. „Wir haben das unermessliche Leid gespürt, das Deutsche über dieses Land gebracht haben, und wir sind dankbar für die Zeichen der Versöhnung.“

Mehr als 200 Akteure der Erinnerungsarbeit aus Deutschland, Belarus und weiteren Ländern waren auf Einladung des IBB Dortmund und der IBB „Johannes Rau“ in Minsk zusammengekommen. Sie hatten am Freitag an der feierlichen Eröffnung des neuen Bauabschnitts der Gedenklandschaft im Beisein des belarussischen, deutschen und österreichischen Präsidenten teilgenommen.

„Wenn wir uns auch fortan, ohne die Hilfe von Zeitzeugen, daran erinnern wollen, warum uns dieses auf Menschlichkeit gegründete Europa so wichtig ist, müssen wir seine Geschichte lehren und lernen und sie jeder Generation neu vermitteln“,

hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Wald von Blagowschtschina gesagt.

Die international besetzte, zweitägige Konferenz begann am Freitagnachmittag und widmete sich insbesondere der Frage, wie die Geschichte des Vernichtungsortes Trostenez an die junge Generation vermittelt werden kann. Wichtig seien eine virtuelle Verortung, um auch international Aufmerksamkeit zu erreichen, und die weitere Erforschung. Bundespräsident Steinmeier hat eine belarussisch-deutsche Historikerkommission angeregt. Geschichtswettbewerbe und Sommerschulen für junge Menschen könnten einen Beitrag leisten, weitere Spuren zu verfolgen, Namen zu sichern und beispielhafte Einzelschicksale für die Nachwelt zu dokumentieren.

Junge Historikerinnen und Historiker aus vier Ländern diskutierten mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, wie die Erinnerung an die nachfolgenden Generationen vermittelt werden kann.

Begegnungsprogramme und Konferenzen für Akteure der Erinnerungsarbeit könnten die wissenschaftliche Aufarbeitung mit zivilgesellschaftlichem Engagement unterstützen. „Bei den Arbeiten an der Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ ist deutlich geworden, dass wir bisher nur wenig wissen über die belarussischen Opfer, die am Vernichtungsort Trostenez ermordet wurden“, sagt Dr. Iryna Kashtalian, Leiterin der Geschichtswerkstatt Minsk. Andererseits gebe es durchaus noch viele Spuren, die aufgearbeitet werden können. Dies habe der Oral-History-Wettbewerb gezeigt, den das IBB Dortmund und die IBB „Johannes Rau“ Minsk im vorigen Jahr ausgeschrieben hatten.

Der Erinnerungsort Trostenez soll zudem durch ein Informationszentrum ergänzt werden, das nach Meinung der Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer alle Konfessionen und religiösen Gemeinschaften ansprechen und für internationale Beziehungen offen sein sollte. Die Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk bot als Bildungs- und Kompetenzzentrum für den Holocaust und NS-Verbrechen in Belarus ihre Unterstützung an. „Wir haben auf der Konferenz auch viele Beispiele dafür gehört, dass sich aus eigentlich lokal fokussierter Gedenkstättenarbeit durch Anfragen, Dokumente und Besuche in vielen Fällen eine internationale Arbeit entwickeln kann und zwar sowohl in der Forschung als auch in der Vermittlung von Forschungsergebnissen“, sagte Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin des IBB Dortmund.

Eine internationale Ausrichtung der zukünftigen Erinnerungsarbeit könnte zudem auch einem weiteren Ziel dienen, das der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede im Wald von Blagowschtschina erwähnt hatte:

„In dieses historische Gedächtnis der Europäer, vor allem aber in das deutsche, gehört zwingend auch die Geschichte von Belarus. Nach fast drei Jahrzehnten Unabhängigkeit ist es an der Zeit, dass das Land in unserem Bewusstsein und Verständnis aus dem Schatten der Sowjetunion tritt, vor allem aber, dass Belarus wahrgenommen wird als ein Staat mit einer eigenen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.“

Das Abschluss-Kommunique der Konferenz im Wortlaut finden Sie hier.

Einen weiteren Beitrag über die Eröffnung der Gedenkstätte und die Konferenz in Minsk finden Sie hier.

Weitere Informationen über die Initiative des IBB Dortmund für den zweiten Bauabschnitt des Erinnerungsortes Trostenez im Wald von Blagowschtschina finden Sie hier.