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Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund

Mahnende Worte zur Eröffnung der Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ in Bremen

Mahnende Worte zur Eröffnung der Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ in Bremen

Mit mahnenden Worten eröffnete Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert am Dienstag, 19. September 2017,  die Wanderausstellung „Vernichtungsort Mayj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ im Bremer Rathaus.

„Mit dem Tod der letzten Überlebenden wird es die politisch-moralische Instanz der Zeitzeugen nicht mehr geben. Es werden zukünftig die historischen Orte wie Trostenez sein, an denen sich die Geschichte erzählen lässt, indem man Spuren freilegt“,

sagte sie vor rund 180 Zuhörern – unter ihnen Vertreter des Senats, des Bremer Trägerkreises und Angehörige von Opfern der Shoa.

Eine Besonderheit in Bremen: Die 18 Tafeln der deutsch-belarussischen Wanderausstellung wurden eigens ergänzt um zwei Tafeln, die an die Schicksale der 570 Männer, Frauen und Kinder erinnern, die am 18. November 1941 aus Bremen, Bremerhaven und dem Bremer Umland ins Ghetto Minsk deportiert wurden. Fast alle wurden in Malyj Trostenez ermordet. Nur sechs Menschen überlebten. Gleich nach dem Mauerfall 1989 hatten Bremer Bürger eine erste Gedenkreise nach Minsk organisiert aus Anlass des 49. Jahrestages der Deportationen.

„Die Kultur des Gedenkens ist das Herzstück einer jeden Gesellschaft“,

sagte Peter Junge-Wentrup, langjähriger Geschäftsführer des IBB Dortmund, in seiner Ansprache. Das IBB hatte 2013 die Initiative für eine würdige Gedenkstätte ergriffen und auch in Bremen viele Unterstützer gefunden. Die Ausstellung, von Historikern aus Deutschland und Belarus gemeinsam erarbeitet, soll das Bewusstsein wecken für den vergessenen Vernichtungsort. „Heute sind wir sicher, dass die Gedenkstätte Trostenez zu einer Brücke der Verständigung wird, wenn wir als Zivilgesellschaft dies wollen und uns dafür engagieren“, sagte Peter Junge-Wentrup. „Wir sind überzeugt, dass Trostenez ein weiterer wichtiger Baustein für eine gemeinsame europäische Erinnerungslkultur werden wird“, pflichtete Dietmar Werstler, Vorsitzender des Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Bremen, bei, der sowohl die Ausstellung als auch den Bau der Gedenkstätte unterstützt.

„Bremen war die erste Stadt, die eine Gedenktafel in Minsk errichtet hat, und damit eine Beschäftigung mit dem Thema Holocaust in Belarus angeregt hat“, erinnerte Galina Lewina, Architektin und Kulturbeauftragte des Verbandes der jüdischen Verbände und Organisationen in Belarus, die eigens zur Ausstellungseröffnung aus Minsk angereist war. Sie berichtete auch über den Baufortschritt im Wald von Blagowtschtschina und schilderte, was ihr die von ihrem verstorbenen Vater Leonid Lewin konzipierte Gedenkstätte bedeutet: „Für mich ist sie ist die Fortsetzung des Lebens. Sie ist mit vielen Schicksalen und Gesichtern verbunden.“

Der Trägerkreis Bremen hat ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung zusammengestellt. Dr. Barbara Johr wird den vierten Band der Stolpersteine-Reihe vorstellen, der insbesondere auf die Schicksale der nach Minsk Deportierten eingeht. Den vielen Beteiligten an der Ausstellung in Bremen, insbesondere Dr. Barbara Johr, galt der Dank der Redner.

Am Ende der Eröffnungsveranstaltung klang den Zuhörenden der Appell von Hans Frank im Ohr, dem 2012 verstorbenen Zeitzeugen, der die Deportation von Bremen nach Minsk als einer von sechs Menschen überlebt hatte und dessen Rede verlesen wurde: „Für eine bessere Welt, für eine ruhigere Welt, eine Welt, in der das Wort des Propheten Jesaja erfüllt wird: „Es hebe kein Volk das Schwert gegen ein anderes Volk – und wir sollen nie von Krieg wissen.“

Die Wanderausstellung in der Unteren Rathaushalle ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und bis zum 15. Oktober 2017 in Bremen zu sehen.

Träger der Ausstellung sind:

Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB Dortmund),
die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk) und
die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Die Ausstellung wird gefördert durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und das Auswärtige Amt.

Der Katalog zur Ausstellung kann bei uns bestellt werden (Schutzgebühr 10 Euro).

Weitere Informationen über die Initiative für eine würdige Gedenkstätte Trostenez finden Sie hier.