
Der Podcast „Das Erinnerungs-DING“ war ein Thema auf der Fachtagung „Inklusiv und ideologiekritisch?“ am 17. und 18. September 2026 in Berlin. Constanze Stoll, Referentin für historische Bildungsprojekte in der IBB gGmbH in Dortmund, und Dr. Christoph Huber, Historiker und Teilnehmer am Podcast-Projekt, stellten den Podcast in einfacher Sprache in einem der insgesamt vier Praxisgespräche vor.
Zu der Fachtagung hatten die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und die Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ eingeladen.
Zwei Tage lang diskutierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Gedenkorten zur Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Zeit mit Fachleuten aus der Forschung.
Das Thema der Tagung hieß: „Inklusiv und ideologiekritisch?“
Inklusiv bedeutet: Alle Menschen sollen einbezogen werden. Die Gedenkstätten sollen mit ihren Ausstellungen und Materialien wirklich alle Menschen erreichen. Wer das Wort „inklusiv“ nutzt, kann verschiedene Gruppen von Menschen meinen: Zum Beispiel Menschen mit Behinderungen, Menschen aus anderen Ländern oder Menschen, die zu einer Minderheit gezählt werden.
Ideologie bedeutet: Ideen, die eine Gruppe von Menschen teilt und die ihr Handeln bestimmen.
Ideologiekritisch bedeutet: Menschen besprechen eine Ideologie, die früher oder heute das Handeln einer Gruppe leitete. Gemeinsam überlegen sie, ob dies gute Ideen sind. Die Besucher und Besucherinnen von Gedenkstätten, die an die Nazi-Zeit und die Opfer erinnern, sollen verstehen: die Ideologie der Nazis war gefährlich und ist es auch noch heute. Sie hat dazu geführt, dass viele verschiedene Menschen verachtet und getötet wurden. Menschen, die sich zum Beispiel in Hochschulen oder Gedenkstätten beruflich mit der Nazi-Zeit beschäftigen, oder Menschen, die Gedenkstätten besuchen, sollen auch über ihre eigene Ideologie nachdenken.

Blick auf den Vortragenden auf der Fachtagung „Inklusiv und ideologiekritisch?“ in den Räumen der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Foto: Constanze Stoll – IBB gGmbH Dortmund
Die Gastgeber hatten mehrere Experten und Expertinnen eingeladen. Die Fachleute arbeiten in Gedenkstätten, in Universitäten oder in Museen. Die Fachleute wollen, dass Geschichte richtig und verständlich vermittelt wird. Alle Besucher und Besucherinnen der Tagung sprachen deshalb auch über Leichte und einfache Sprache und über Piktogramme, also Bilder, die schwere Wörter einfach erklären.
Nach dem ersten Vortrag wurde ein Widerspruch sichtbar
Birger Höhn, nach eigener Beschreibung autistischer Peer-Referent in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, sagte:
Bei einer Fachtagung, die „inklusiv“ im Titel trägt, muss man heute erwarten können, dass mindestens einfache Sprache angeboten wird.
Die Gastgeber sagten, auf ihren „Open Call“ seien kaum Anmeldungen oder Gedanken von Menschen mit Behinderungen eingegangen. So blieben die Fachleute aus den Gedenkstätten und Hochschulen unter sich. Ein „Open Call“ ist ein Aufruf, der sich an Fachleute richtet.
Am zweiten Tag der Veranstaltung gab es vier Praxisgespräche. In den Praxisgesprächen ging es um Erfahrungen aus der Arbeit mit in Gedenkstätten und Museen. Constanze Stoll und Dr. Christoph Huber stellten den Podcast „Das Erinnerungs-DING“ im Praxisgespräch „Inklusive Koproduktionen“ vor: In dieser Runde ging es um die Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. Auch Experten und Expertinnen aus der Gedenkstätte Brandenburg an der Havel und dem Erinnerungsort „Topographie des Terrors“ berichteten über ihre Erfahrungen mit inklusiver Zusammenarbeit. Dr. Christoph Huber erzählte, wie die Podcast-Folgen bei mehreren Treffen erarbeitet und entwickelt wurden. Ihm war besonders wichtig darauf hinzuweisen: Bei inklusiver Zusammenarbeit soll der Prozess für die Entwicklung von dem, was zusammen erarbeitet werden soll, im Mittelpunkt stehen. Es ist wichtig, dass alle mitbestimmen können, was entstehen soll und wie das Produkt aussehen soll. Constanze Stoll fügte hinzu: Damit das gelingt, muss die Gruppe immer auf Fairness achten und darauf schauen, ob alle gut mitkommen. Inklusive Koproduktion heißt eben auch, Entscheidungen zusammen zu fällen.
„Wer heute eine Fachtagung oder ähnliche Veranstaltungen zum Thema Inklusion veranstaltet, müsste sich aus meiner Sicht fragen: Wessen Expertise suchen wir?“,
sagt Constanze Stoll, Referentin für historische Bildungsprojekte bei der IBB gGmbH. „Wenn Menschen angesprochen werden sollen, die in solchen Fachräumen bislang wenig vertreten sind, müssen Ausschreibung, Ansprache und Bewerbungsformat ihren unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten entsprechen. Gerade bei Menschen mit Behinderungen stellt sich deshalb auch die Frage, ob ein klassischer “Open Call“ der geeignete Zugang ist – oder selbst bereits eine Barriere darstellt.“
Constanze Stoll nahm von dieser Fachtagung für das IBB -Team vier Thesen mit:
These 1: Historisch-politische Bildung ist nicht neutral.
Ideologiekritik bedeutet, auch die eigene Weltanschauung zu bedenken: Was gilt als normal? Welches Wissen ist wichtig? Wer wird ausgeschlossen? Ziel ist ein Abbau von Barrieren und eine Gestaltung von Teilhabe und Teilgabe.
These 2: Wir müssen klären, was wir mit Inklusion und „inklusiv“ meinen.
Inklusion ist nicht selbsterklärend. Entscheidend ist die Frage: Wer muss bei einem bestimmten Thema beteiligt sein – und warum? Inklusion heißt nicht, dass immer alle dabei sein müssen.
These 3: Inklusion heißt: Meine Zeit stimmt.
Menschen mit Behinderungen brauchen mehr Zeit. Inklusive Bildungsarbeit und inklusive Fachtagungen müssen diese Zeit geben. Dahinter steht auch die Frage: Wie viel Zeit nehmen wir uns, um ungleiche Wissens- und Machtverhältnisse auszugleichen? Sicht mehr Zeit zu nehmen, tut allen gut.
These 4: Inklusion verändert Machtverhältnisse.
Wer Themen setzt, Redezeit verteilt und Entscheidungen trifft, gestaltet Teilhabe. Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Diskriminierungserfahrungen müssen deshalb von Anfang an an Bildungsarbeit beteiligt sein. Das ist keine Ergänzung, sondern ihre Grundlage.
„Inklusion – einfach machen!“ hieß eines unserer deutsch-ukrainischen Projekte beim IBB.
Der Anspruch gilt weiterhin.
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