
„Wir haben Euren Podcast schon mit großer Spannung erwartet!“
Mit offenen Armen wurde das Team vom Podcast-Projekt im Geschichtsort Stadthaus in Hamburg begrüßt.
Am Montag, 2. Februar 2026, wurde der Podcast dort etwa 50 Personen vorgestellt. Linn Bade vom Verein IN-Gesellschaft e.V. moderierte die Veranstaltung.
Von April bis Dezember 2025 haben 15 Menschen mit und ohne Behinderung am Podcast „Das Erinnerungs-DING“ gearbeitet. Die 15 Menschen kommen aus Kiel, Hannover, Hamburg, Heidelberg und Berlin.

Linn Bade vom Verein IN-Gesellschaft e.V. Berlin (2.v.r.) moderierte die Präsentation im Geschichtsort Stadthaus in Hamburg.
Die Teilnehmenden haben sich mit zwei Themen beschäftigt.
Das erste Thema ist die Geschichte der Deportationen von Juden und Jüdinnen und von Sinti und Roma während der Nazi-Zeit.
Deportationen bedeutet: Menschen wurden von den Nazis mit Gewalt aus ihrem Zuhause weggebracht. Die Menschen mussten in Züge steigen. Sie wurden in Lager gebracht.
Das zweite Thema ist, wie man die Deportationen und die anderen Verbrechen der Nazis so erklären kann, dass alle Menschen gut verstehen und daraus lernen können.
Über diese beiden Themen sollte in neun Monaten ein Podcast entstehen.
Das Projektteam hat das Denkmal Hannoverscher Bahnhof und den Geschichtsort Stadthaus besucht. Das Projektteam war in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Das Team war außerdem in der Gedenkstätte Abtei Brauweiler bei Köln und im Digitallabor des Landschaftsverbandes Rheinland.
Gedenkstätten erinnern an die Nazi-Zeit und an die Opfer der Nazi-Verbrechen. Viele Gedenkstätten bemühen sich heute um mehr Inklusion. Inklusion heißt: Alle können mitmachen und lernen. Das Publikum in Hamburg war deshalb sehr gespannt. Es wollte wissen, wie das Podcast-Team die Gedenkstätten erlebt hat. Wird Geschichte in den Gedenkstätten immer einfach und verständlich erzählt?
Das Team hat viele Barrieren gefunden:
- Gedenkstätten erzählen oft in schwerer Sprache. Die Texte sind oft sehr lang.
- Treppen und Türen sind Barrieren.
- Audio-Guides sind zwar an manchen Orten vorhanden. Doch auch Texte in einfacher Sprache sind oft zu schnell gesprochen: Zu viele Informationen auf einmal machen das Verstehen schwer.
Barrieren gab es aber auch im Projekt: Das Leitungsteam bemühte sich, die anspruchsvollen Aufgaben in einen einfachen Ablauf für neun Monate zu übersetzen. Jede Person sollte Schritt für Schritt folgen und sich einbringen können. Trotzdem war der Ablauf nicht immer für alle Personen sichtbar, verständlich und zugänglich genug.
Es gab nicht einen gemeinsamen Wohn- und Arbeitsort für das Projektteam. Die Projektmittel reichten nur für vier gemeinsame Reisen des ganzen Teams. Als die Drehbücher ab Sommer entwickelt wurden, gab es viele Online-Treffen. Das war nicht für alle Personen die richtige Lern- und Arbeitsumgebung.
Hilfe gab es von der Inklusions-Expertin Annika Hirsekorn und dem Ton-Experten Rolando Gonzalez: Annika Hirsekorn half bei der Frage, wie lange eine Folge des Podcasts sein soll und wie eine Folge des Podcasts gegliedert sein kann. Rolando Gonzalez gab den Folgen am Ende den letzten Feinschliff.
Dazwischen hat das Team alle Folgen des Podcast selbst gemacht: Es wurden Drehbücher in einfacher Sprache geschrieben. Alle Texte wurden von zwei Personen aus dem Team geprüft: Ist auch wirklich alles gut verständlich? Das Projektteam hat die Musik ausgewählt, Aufnahmen gemacht und die Folgen in einem Schnittprogramm zusammengestellt. Auch das Titelbild wurde selbst gestaltet.
„Das Team wuchs an seinen Aufgaben und war doch manches Mal überfordert“,
sagt Constanze Stoll, Projektleiterin auf Seiten der IBB gGmbH Dortmund.
Teilnehmer und Teilnehmerinnen kritisierten am Ende:
- Es gab zu wenige gemeinsame Treffen.
- Es fehlte zum Teil die notwendige Unterstützung.
- Es fehlte die Zeit, alle Aufgaben in Ruhe zu bearbeiten.
- Und am Ende entstand Stress durch Zeitdruck.
„Es hat sich wieder gezeigt: Inklusive Projekte brauchen genügend Zeit, um wirklich inklusiv geplant zu werden“,
sagt Stoll.

Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH Dortmund, sprach dem gesamten Team ihre Anerkennung aus.
Die Diskussionen im Anschluss an die Veranstaltung am 2.2.26 im Stadthaus lassen sich so zusammenfassen: Unterschiedliches Wissen gibt es nicht nur über Geschichte, sondern auch über Inklusion. Oft werden diese Unterschiede im Wissen nicht behutsam genug behandelt. Dann entstehen Machtunterschiede. Damit ein inklusives Team auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann, muss es sich selbst noch besser beobachten. Dazu braucht es mehr Zeit und Geld – und genau dafür sollten sich Partner in Zukunft einsetzen.
„Ich finde, Ihr habt wirklich etwas Tolles erreicht“,
sagte anerkennend Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH in Dortmund, und dankte dem Team.
„Die Nazis haben damals ausgegrenzt. Wir setzen ein Zeichen gegen Ausgrenzung und zeigen: Gemeinsam sind wir stärker, weil wir zusammen lernen! Das ist das Beste, was wir heute tun können im Sinne eines ‚Nie wieder ist jetzt‘.“
Dr. Christine Eckel vom Geschichtsort Stadthaus betonte das Lernen in beide Richtungen:
„Wir waren bei Eurem Workshop nicht nur Gastgeberinnen. Wir haben selbst sehr viel von Euch gelernt.“
Der Austausch habe gezeigt: Manchmal helfen schon einfache Mittel. Auch die Nazi-Zeit kann einfacher erklärt werden.
„Ich bin total beeindruckt.“
- Fragerunde im Geschichtsort Stadthaus in Hamburg.
- Das Publikum hört aufmerksam zu.
Eine Frage aus dem Publikum lautete: Habt Ihr gute Beispiele gefunden in Gedenkstätten?
Das Team war sich einig:
Die Piktogramme in der Gedenkstätte Buchenwald waren ein gutes Beispiel. Davon handelt die zweite Folge “Das DING mit den Piktogrammen“, die am 10. Februar erscheint.
„In der Gedenkstätte Buchenwald hat man Menschen mit Besonderheiten in alle Überlegungen einbezogen und unglaublich viele kluge Gedanken entwickelt“,
schilderte Kai Bruhn, selbst Teilnehmer und Assistenzperson im Projekt.
Eine andere Frage aus dem Publikum lautete: Wie macht Ihr jetzt weiter?

Renate Müller vom Verein IN-Gesellschaft.
Das Podcast-Team versprach: Wir berichten auch anderswo über unsere Erfahrungen. Interessierte können sich an die IBB gGmbH oder den Verein IN-Gesellschaft e.V. wenden. Fast alle möchten gern weiter am Thema arbeiten und Geschichte in einfacher Sprache erzählen.
„Das Podcast-Team hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, die schwere Geschichte der Nazi-Vergangenheit allen Menschen zugänglich zu machen. Denn: sie geht uns alle an. Für den Abbau von Barrieren brauchen wir genügend Zeit für die faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wir hoffen, dass unser Projekt viele zur Nachahmung inspiriert. Inklusion dient immer allen Menschen“, sagt Constanze Stoll, Referentin für historische Bildungsarbeit bei der IBB gGmbH.
Das Team ist in den vergangenen Monaten zusammengewachsen. Es hat sich gegenseitig unterstützt. Oder wie Teilnehmer Jannik Diep sagte:
„Wenn jeder einen Stein trägt, ist das gemeinsame Haus viel schneller fertig.“
Im Projektteam haben folgende Personen mitgewirkt:
Linn Bade, Elsa Bartelt, Kai Bruhn, Jannik Diep, Marie Heidtmann, Christoph Huber, Findus Kampa, Pia Kapel, Hannah Kiesbye, Reinhard Lagrain, Charlene Marth, Renate Müller, Mian Pohl, Maximilian Riedle, Amelie Stephan und Constanze Stoll.
Weitere Eindrücke der Teilnehmer und Teilnehmerinnen finden Sie hier.

Über den Podcast „Das Erinnerungs-DING“:
Das „Erinnerungs-DING“ beschäftigt sich mit den Verbrechen der Nazis in Hamburg in den Jahren 1933 bis 1945.
Es geht um die Deportationen von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma. Jüdinnen und Juden gehören zum jüdischen Glauben. Sinti und Roma leben schon sehr lange in Europa. Sie sprechen neben Deutsch oft auch die Sprache Romanes. Diese Gruppen wurden von den Nationalsozialisten ausgeschlossen und verfolgt. Was haben die Menschen in Hamburg über diese Deportationen gewusst?
Der Podcast in einfacher Sprache hat fünf Folgen und eine Zusatzfolge. In der Zusatzfolge werden schwere Wörter erklärt. Die erste Folge und die Zusatzfolge sind bereits online. Die weiteren Folgen erscheinen immer dienstags bis zum 3. März 2026.
- Dieser QR-Code führt zur Zusatzfolge: „Das DING mit Erklärungen von schweren Wörtern“. Einfach abfotografieren!
- Dieser QR-Code führt zu Folge 1 „Das DING mit der Bahnsteigkante“. Einfach abfotografieren!
- Dieser QR-Code führt zu Folge 2 „Das DING mit den Piktogrammen“. Einfach abfotografieren!
Das Projekt wurde von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen des Programms JUGEND erinnert vor Ort & engagiert gefördert.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Projektseite.





